Argentinien an der WM 2026: Titelverteidiger ohne Garantie

Spieler der argentinischen Albiceleste im hellblau-weissen Trikot auf dem Rasen vor dem Anpfiff eines Länderspiels

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Der 18. Dezember 2022 hat die argentinische Fussballgeschichte in ein Vorher und ein Nachher geteilt. Das Penaltyschiessen im Lusail Stadium, Messi mit dem Pokal in den Händen, die Rangelei in den letzten Minuten, Emiliano Martínez mit der grotesken Geste bei der Torhüter-Auszeichnung. Dreieinhalb Jahre später steht die Albiceleste vor einer Aufgabe, die schwerer ist als die Titelverteidigung selbst: sie muss beweisen, dass 2022 kein Ausreisser war. Bei Argentinien an der WM 2026 ist das zentrale Thema nicht der Titel, sondern die Frage, ob die Mannschaft ohne einen Messi auf Topniveau noch Weltmeister werden kann.

Titelverteidigung nach 2022

Vier Jahre sind in der Entwicklung einer Nationalmannschaft eine lange Zeit. Von der Mannschaft, die in Katar den Titel holte, sind einige Stammspieler nicht mehr im Fokus. Ángel Di María hat seine internationale Karriere beendet, Nicolás Otamendi ist 38 Jahre alt, und die Schlüsselfrage um Lionel Messi hängt bei jeder Nominierung in der Luft. Der Kapitän hat in mehreren Interviews angedeutet, dass die WM 2026 sein letztes grosses Turnier sein könnte, ohne eine definitive Aussage zu machen.

Was die Titelverteidigung so kompliziert macht, ist die historische Statistik. Seit der WM 1962 hat kein Weltmeister seinen Titel erfolgreich verteidigen können. Brasilien 1966, Italien 1986, Deutschland 1994, Brasilien 2006, Italien 2010, Spanien 2014, Deutschland 2018, Frankreich 2022 — alle scheiterten, teilweise bereits in der Gruppenphase. Diese Serie ist kein Zufall, sie hat strukturelle Gründe. Der emotionale Höhepunkt eines WM-Titels ist für eine Generation schwer zu wiederholen, und gleichzeitig ist der Druck beim zweiten Anlauf grösser als beim ersten.

Argentinien tritt dieser Statistik mit einem bemerkenswerten Befund entgegen: die Mannschaft hat nach dem WM-Titel 2022 auch noch die Copa America 2024 gewonnen, die in den USA ausgetragen wurde. Das ist die Generalprobe, die keine andere Titelverteidiger-Mannschaft der jüngeren Geschichte in dieser Form absolviert hat. Die Albiceleste kennt die amerikanischen Stadien, die amerikanische Hitze, die amerikanische Schiedsrichter-Kultur, und sie hat gegen jeden möglichen Gegner aus Nord- und Südamerika bereits in einem wichtigen Spiel bestanden.

Die Qualifikation für 2026 verlief solide, wenn auch nicht so dominant wie die Qualifikation für 2022. Argentinien stand fast die ganze CONMEBOL-Endrunde über auf einem direkten Qualifikationsplatz, verlor aber auch überraschend Spiele gegen Uruguay und Kolumbien. Diese Niederlagen sind Teil der Botschaft, die der Trainerstab seit Monaten in die Öffentlichkeit trägt: die Titelverteidigung ist keine Formsache, sie ist eine Aufgabe, die jeden einzelnen Spieler an seine Grenze bringen wird.

Interessant ist dabei, dass Argentinien trotz der Niederlagen über die gesamte Qualifikation weniger Gegentore kassierte als jede andere CONMEBOL-Mannschaft. Die defensive Stabilität, die in Katar der Schlüssel zum Titel war, ist 2026 weiterhin vorhanden. Die offensive Produktivität dagegen ist volatiler geworden, was teilweise mit der veränderten Rolle von Messi und mit der Eingewöhnung neuer Stürmerkombinationen zu tun hat.

Der Kader: Messi, Lautaro, Mac Allister, Álvarez

Lionel Messi ist bei der WM 2026 voraussichtlich 39 Jahre alt. Das ist ein Alter, in dem selbst die Grössten des Spiels normalerweise nicht mehr auf höchstem Niveau mithalten. Messi ist eine Ausnahme, aber auch für ihn gelten die Gesetze der Biologie. Bei Inter Miami spielt er in der MLS ein Tempo, das deutlich niedriger ist als jenes der europäischen Topligen. Die Frage ist, ob er in einer WM mit sieben möglichen Spielen innerhalb eines Monats das nötige Niveau über die ganze Distanz halten kann.

Was für Messi spricht, ist sein Spielverständnis. Er braucht heute weniger Sprintmeter, um ein Spiel zu gestalten, weil er die Räume früher erkennt und die Bälle mit höherer Präzision verteilt. In Katar 2022 schoss er sieben Tore und bereitete weitere drei vor. Ein ähnliches Resultat 2026 ist möglich, aber die Mannschaft muss taktisch so aufgestellt sein, dass sie ihn in die richtigen Zonen bringt und ihn in den richtigen Momenten entlastet. Genau an dieser Aufgabe arbeitet der Trainerstab seit der Copa America 2024, mit dem Ziel, Messi als Schaltzentrale zu nutzen, ohne ihn körperlich zu überfordern.

Lautaro Martínez ist der Stürmer, der in der Post-Messi-Ära den Angriff anführen soll. Bei Inter Mailand schiesst er seit Jahren über zwanzig Tore pro Saison in der Serie A, und er hat bei der Copa America 2024 als Torschützenkönig bewiesen, dass er auch im Nationaltrikot kalt abschliesst. Sein Profil ist ideal für die Rolle, die Messi in Katar innehatte: ein Spieler, der in den entscheidenden Momenten die Chance verwertet, die der Rest der Mannschaft erarbeitet.

Im Mittelfeld ist Alexis Mac Allister die zentrale Figur. Der Spieler von Liverpool hat in der Premier League ein Niveau erreicht, das ihn zu einem der besten Achter der Welt macht. Mac Allister kombiniert defensive Arbeit, Spielaufbau und die Fähigkeit, in gefährlichen Zonen Tore zu erzielen. Neben ihm spielt Enzo Fernández von Chelsea, der als Sechser das Tempo diktiert und der bereits 2022 zum besten jungen Spieler des Turniers gewählt wurde.

Julián Álvarez ist der zweite grosse Angreifer und der vielseitigste Spieler der Mannschaft. Bei Atlético Madrid spielt er sowohl als zentraler Stürmer als auch als Zehner hinter der Spitze. Diese Vielseitigkeit ist für den Trainer Gold wert, weil sie ihm erlaubt, das Offensivsystem je nach Gegner zu variieren, ohne die Hierarchie der Spieler zu ändern. Álvarez trifft in Vereinsspielen und in Länderspielen mit einer Konstanz, die ihn zum möglichen zweiten Torschützenkönig der Mannschaft macht.

In der Verteidigung ist Cristian Romero der Anker. Bei Tottenham hat er sich als aggressiver, zweikampfstarker Innenverteidiger etabliert, und in der Albiceleste bildet er mit einem Partner die Grundlage einer Mannschaft, die in Katar kaum Gegentore kassierte. Nicolás Otamendi wird voraussichtlich noch einmal ins Turnier reisen, auch wenn er dort eher als Bankoption und als Routinier für die Kabine fungieren wird. Emiliano Martínez im Tor ist der emotionale Anker, mit seinen Reflexen in Penaltyschiessen und mit seiner provozierenden Art, die Gegner zu destabilisieren.

Gruppe J: Algerien, Österreich, Jordanien

Die Auslosung war für Argentinien komfortabel und bringt gleichzeitig zwei unangenehme Aufgaben mit sich. In Gruppe J trifft die Albiceleste auf Algerien, Österreich und Jordanien. Jordanien ist der klare Aussenseiter und der WM-Debütant, Algerien die taktisch sperrigste Aufgabe, Österreich der direkte europäische Gegner mit der grössten Erfahrung in internationalen Spielen.

Österreich hat sich in der UEFA-Qualifikation als Gruppensieger qualifiziert und reist mit einer Mannschaft an, in der mehrere Spieler in der deutschen Bundesliga zur Stammformation ihrer Vereine gehören. Marcel Sabitzer, Konrad Laimer, Xaver Schlager im Mittelfeld, David Alaba als Anker in der Defensive. Österreichs Spielidee unter seinem Trainer ist pressingintensiv und direkt, was gegen eine technisch versierte Mannschaft wie Argentinien Räume öffnen kann. Für die Schweizer Fans ist dieses Spiel besonders interessant, weil es direkte Rückschlüsse auf das Niveau der Nati gegenüber dem direkten alpinen Nachbarn erlaubt.

Die österreichische Mannschaft hat in den letzten drei Jahren eine beachtliche Entwicklung genommen. An der EM 2024 in Deutschland erreichte sie das Achtelfinal und schied knapp gegen die Türkei aus. Die Kernmannschaft ist seither zusammengeblieben, und die Qualifikation für 2026 wurde mit wenigen Verlustpunkten gemeistert. Ein direktes Duell mit Argentinien ist für jeden österreichischen Spieler das Spiel seines Lebens, und diese Motivation kann in einer Gruppenphase für eine Überraschung sorgen, die im Quotenmarkt als unwahrscheinlich, aber nicht als unmöglich eingestuft wird.

Algerien ist die Mannschaft, die in afrikanischen Wettbewerben konstant präsent ist und die mit erfahrenen Legionären aus den europäischen Topligen antritt. Die Wüstenfüchse, wie die Mannschaft im eigenen Land genannt wird, spielen körperlich robust und technisch sauber, mit einer Organisation, die in der Vergangenheit mehrfach gegen europäische Mittelmächte für Überraschungen gesorgt hat. Argentinien wird dieses Spiel nicht unterschätzen, aber eine Mannschaft der Qualität der Albiceleste sollte diese Aufgabe mit drei Punkten lösen.

Jordanien ist der WM-Debütant und die Mannschaft, die das Turnier mit der grössten Unbefangenheit angehen wird. Für die jordanischen Spieler ist die Teilnahme bereits der Erfolg, und dieser Umstand kann paradoxerweise gefährlich sein, weil eine Mannschaft ohne Druck oft mit einer Lockerheit spielt, die Topfavoriten überraschen kann. Messi hat in Pressekonferenzen die Erwartung formuliert, dass Argentinien mit neun Punkten aus der Gruppe kommen muss, was aus seiner Sicht die einzige akzeptable Titelverteidigung ermöglicht.

Quoten auf Titelverteidigung

Die Quoten auf Argentinien als Weltmeister 2026 liegen im Bereich von 6.50 bis 8.50. Das ist die Quote für einen Topfavoriten, aber nicht für den klaren Favoriten. Der Markt rechnet mit der statistischen Last der Titelverteidigung und mit der Unsicherheit um Messis Form über die gesamte Turnierdistanz. Verglichen mit Brasilien, Spanien und Frankreich notiert Argentinien leicht höher, was die Zurückhaltung des Marktes reflektiert.

Auf den Gruppensieg in Gruppe J liegt die Quote bei 1.30 bis 1.40. Diese Zahl bildet die klare Favoritenrolle in einer überschaubaren Gruppe ab. Auf das Weiterkommen aus der Gruppe liegt die Quote bei 1.05 oder tiefer, was einer impliziten Wahrscheinlichkeit über 90 Prozent entspricht. Die Albiceleste wird aus dieser Gruppe herausspielen, und zwar mit fast absoluter Wahrscheinlichkeit.

Spannender sind die Quoten auf einzelne K.-o.-Runden. Auf das Erreichen des Halbfinals liegt die Quote bei rund 2.40, auf das Erreichen des Finals bei rund 3.80. Diese Zahlen sind aus meiner Sicht fair, weil sie die Stärke der Mannschaft abbilden, ohne in Euphorie zu verfallen. Wer eine detaillierte Analyse der Outright-Marktdynamiken sucht, findet sie im Artikel zur Weltmeister-Prognose 2026.

Die Tiefe des Kaders hinter den Stars

Hinter den sechs bis sieben gesetzten Stammspielern hat Argentinien eine Tiefe, die in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen ist. Diese Tiefe wird über sieben mögliche Spiele entscheiden, weil kein Topfavorit ein ganzes Turnier mit einer einzigen Elf durchspielen kann. Muskelverletzungen, Sperren nach gelben Karten, taktische Wechsel zwischen den Spielen — das alles sind Gründe, warum die Bankoptionen eine grössere Rolle spielen als in den meisten anderen Mannschaften.

Nicolás González bringt auf dem offensiven Flügel Tempo und Direktheit und war in Katar bereits als Wechseloption eingeplant, bevor eine Verletzung ihn ausbremste. Giovani Lo Celso ist die Kreativoption im zentralen Mittelfeld für Phasen, in denen die Mannschaft das Spiel gegen einen tief stehenden Gegner machen muss. Leandro Paredes bringt die Erfahrung aus Katar und die Fähigkeit, ein Spiel aus einer defensiveren Rolle heraus zu organisieren. Alejandro Garnacho ist der junge Aussenstürmer, der bei Manchester United Momente des Spektakels zeigt und der in einer K.-o.-Situation mit einem Solo das Spiel drehen kann.

In der Innenverteidigung konkurriert Lisandro Martínez um die Stammplätze neben Romero. Lisandro Martínez ist kleiner, aber zweikampfstark, und er bringt ein anderes Profil in die Abwehr ein, das gegen physisch robuste Gegner wie Österreich nützlich sein kann. Nahuel Molina auf der rechten Aussenverteidigerposition hat in Madrid und in der Nationalmannschaft konstant geliefert, und Marcos Acuña auf der linken Seite bringt die Aggressivität, die Scaloni in seinem System braucht.

Die Taktik unter dem Trainerstab der Albiceleste

Die taktische Identität der Albiceleste ist seit 2021 konstant geblieben. Die Grundordnung ist ein 4-3-3 mit klaren Aufgaben für jeden Spieler. Messi hatte in Katar die Rolle des hängenden Stürmers und der offensiven Schaltzentrale, und diese Rolle wird ihm auch 2026 zugestanden werden, wenn er fit ist. Die beiden Achter, Mac Allister und Enzo Fernández, bewegen sich in einem System, das ihnen sowohl defensive als auch offensive Aufgaben zuweist. Der Sechser, ursprünglich Rodrigo De Paul, ist der Motor, der die Mannschaft über neunzig Minuten in Bewegung hält.

Was diese Mannschaft auszeichnet, ist die Disziplin in der Defensivarbeit. Argentinien kassierte in Katar nur fünf Gegentore in sieben Spielen, und diese Bilanz entstand nicht nur wegen der individuellen Qualität von Romero und Otamendi, sondern weil die gesamte Mannschaft im Pressing-Moment zusammenschob und im Verteidigen kompakt stand. Diese Defensivdisziplin ist die Grundlage jedes WM-Titels der jüngeren Geschichte, und sie ist der Grund, weshalb die Albiceleste auch ohne Spektakel gefährlich bleibt.

Ein Faktor, der in taktischen Analysen oft übersehen wird, ist die Rolle von Emiliano Martínez im Penaltyschiessen. Der Torhüter hat in Katar zweimal entscheidend gehalten, einmal im Viertelfinal gegen die Niederlande, einmal im Final gegen Frankreich. Seine Statistik im Eins-gegen-Eins ist aussergewöhnlich, und sie hat in mehreren Spielen der Copa America 2024 die Mannschaft ins Weiterkommen getragen. Wer in K.-o.-Spielen auf einen Torhüter mit Präsenz im Penaltyschiessen setzen kann, hat einen strukturellen Vorteil, der in der Quote nicht abgebildet wird.

Argentinien an Weltmeisterschaften: eine Bilanz

Argentinien hat drei Weltmeistertitel auf dem Konto: 1978, 1986 und 2022. Dazwischen liegen mehrere zweite Plätze und Viertelfinal-Auftritte. Die Mannschaft ist eine der drei oder vier Nationen, die in der gesamten WM-Geschichte durchgehend zu den Topteams gehören. Was Argentinien von Brasilien unterscheidet, ist die grössere Häufigkeit enttäuschender Turniere zwischen den Titelgewinnen.

Der Titel 1978 wurde im eigenen Land unter politisch umstrittenen Bedingungen gewonnen. Der Titel 1986 ist in der kollektiven Erinnerung mit Maradona und dem Hand-Gottes-Tor gegen England verbunden. Der Titel 2022 war die Krönung der Karriere von Messi und der Moment, in dem eine ganze Generation argentinischer Fans ihre Erlösung fand. Drei Titel, drei verschiedene Epochen, drei verschiedene Trainer, drei verschiedene Spielideen.

Zwischen den Titeln gab es mehrere Final-Niederlagen. 1930 verlor Argentinien den ersten WM-Final überhaupt gegen Uruguay, 1990 gegen Deutschland, 2014 gegen Deutschland. Diese drei Niederlagen sind Teil der kollektiven Wunde des argentinischen Fussballs, und sie haben den Titel 2022 umso emotionaler gemacht. Die WM 1990 in Italien ist in der argentinischen Erinnerung mit Maradona unter Tränen und Diego Goycochea im Tor verbunden, 2014 in Brasilien mit Messis einsamem Gang zum Platz der Zweiten nach dem Tor von Mario Götze in der Verlängerung.

Was 2026 anders sein wird: die Mannschaft reist nicht als Underdog, sondern als Titelverteidiger. Diese Rolle ist psychologisch schwerer als die des Mitfavoriten, weil der Druck auf jeden einzelnen Spieler grösser ist und jedes knappe Resultat sofort als Schwäche interpretiert wird. Der Trainerstab hat in den letzten Monaten genau an diesem Thema gearbeitet, mit Video-Analysen früherer Titelverteidiger und mit Gesprächen zur mentalen Vorbereitung.

Die Copa America 2024 als Generalprobe

Die Copa America 2024 in den USA war für Argentinien weit mehr als ein Kontinentalturnier. Sie war die direkte Vorbereitung auf die WM 2026, in fast identischer Kulisse, gegen ähnliche Gegner, in denselben Stadien. Die Albiceleste gewann das Turnier, schlug im Final Kolumbien nach Verlängerung, und bestätigte damit ihren Status als dominierende Mannschaft der Region.

Was die Mannschaft aus dem Turnier mitgenommen hat, ist in den Trainergesprächen mehrfach beschrieben worden. Erstens: die Hitze in Stadien wie Atlanta, Miami und Kansas City ist ein Faktor, der die Intensität der Spiele senkt und Mannschaften mit mehr Ballbesitz einen Vorteil verschafft. Zweitens: die Rasenqualität in manchen Stadien ist schlechter als in europäischen Topligen, weil die Plätze zwischen NFL und MLS und Konzerten mehrfach wechselnden Beanspruchungen ausgesetzt sind. Drittens: die Unterstützung der lateinamerikanischen Diaspora in den USA ist für südamerikanische Mannschaften ein inoffizieller Heimvorteil, der in Stadien wie Houston oder Dallas besonders deutlich spürbar ist.

Die Verletzung von Messi im Final gegen Kolumbien war der einzige Dämpfer des Turniers. Er musste in der ersten Halbzeit ausgewechselt werden, stand am Spielfeldrand mit Tränen in den Augen, und die Mannschaft musste ohne ihn das Spiel nach Hause bringen. Genau diese Situation ist die Blaupause für ein mögliches Szenario an der WM 2026, in dem Messi nicht über neunzig Minuten verfügbar ist und die Albiceleste den Titel ohne ihren Anker verteidigen muss. Dass die Mannschaft in Miami genau diesen Beweis geliefert hat, ist der grösste psychologische Vorteil, den sie in die WM mitnimmt.

Wie weit trägt der Titelverteidiger?

Mein Basisszenario für Argentinien ist Gruppensieg in Gruppe J, dann ein Sechzehntelfinal-Sieg gegen einen Mittelklassegegner, dann ein Achtelfinal-Sieg gegen einen stärkeren Gegner. Spätestens im Viertelfinal wartet voraussichtlich eine andere Topmannschaft, und dort wird die Form von Messi über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Ein Halbfinaleinzug ist realistisch, ein Finaleinzug ist möglich, eine Titelverteidigung wäre eine historische Ausnahme.

Mein optimistisches Szenario: Messi findet zu seiner alten Form zurück, die Mannschaft gewinnt die Gruppe souverän, überlebt jedes K.-o.-Spiel mit kühlem Kopf, und steht am 19. Juli im MetLife Stadium erneut im Final. Die Titelverteidigung wäre das historische Kunststück, das seit 1962 keinem mehr gelungen ist. Mein pessimistisches Szenario: Messi ist nicht mehr auf dem nötigen Niveau, die Mannschaft verliert ein entscheidendes Spiel im Viertelfinal, die Albiceleste scheidet früher aus als die meisten anderen Topfavoriten. Diese Variante hätte in der argentinischen Öffentlichkeit eine bittere Nachwirkung.

Zwischen diesen Extremen liegt das realistischste Szenario: ein Finaleinzug, eine knappe Niederlage gegen eine europäische Topmannschaft im Endspiel, und das Ende einer Ära mit Erhobenem Haupt. Eine solche Finalniederlage wäre kein Makel, sondern der Abschluss einer Generation, die in Katar das Maximum erreicht hat und in den USA ihre letzte grosse Bühne bespielt.

Was den Ausschlag geben wird, sind vier Faktoren: Messis körperliche Verfassung, Lautaros Treffsicherheit in den K.-o.-Spielen, Mac Allisters Fähigkeit, das Mittelfeld über sieben Spiele durchzuspielen, und die Nerven von Emiliano Martínez in einem möglichen Penaltyschiessen. Wenn diese vier Faktoren stimmen, kann Argentinien den Titel verteidigen. Wenn auch nur einer davon wackelt, endet das Turnier früher, als die Fans es sich wünschen.

Ein fünfter Faktor, den ich nicht unterschätzen würde, ist die Rolle des Trainerstabs in den entscheidenden Momenten. Argentinien hat in Katar und bei der Copa America 2024 gezeigt, dass die Bank in engen Spielen die richtigen Wechsel zur richtigen Zeit macht. Diese Coaching-Qualität ist nicht selbstverständlich und unterscheidet eine Mannschaft, die ein Turnier gewinnt, von einer, die im Viertelfinal scheitert.

Für eine direkte Einordnung der argentinischen Chancen im Vergleich zu den anderen Topfavoriten siehe unsere Übersicht über die 48 Nationalmannschaften der WM 2026.

Wie hoch sind die Quoten auf Argentinien als Weltmeister 2026?

Die Quoten auf Argentinien als Weltmeister liegen im Bereich von 6.50 bis 8.50 und damit leicht über jenen von Brasilien, Spanien und Frankreich. Der Markt berücksichtigt die statistische Last der Titelverteidigung und die Unsicherheit um Messis Form.

Spielt Lionel Messi an der WM 2026?

Messi hat sich noch nicht definitiv festgelegt. In mehreren Interviews hat er angedeutet, dass die WM 2026 sein letztes grosses Turnier sein könnte. Bei einer normalen Entwicklung seiner körperlichen Verfassung wird er zum Kader gehören, die Rolle aber anders sein als 2022.

In welcher Gruppe spielt Argentinien an der WM 2026?

Argentinien ist in Gruppe J gesetzt, mit den Gegnern Algerien, Österreich und Jordanien. Die Gruppe gilt als machbar, mit Österreich als dem stärksten Gegner und Jordanien als dem WM-Debütanten.

Wer sind die wichtigsten Spieler im argentinischen Kader neben Messi?

Lautaro Martínez im Sturm, Alexis Mac Allister und Enzo Fernández im Mittelfeld, Julián Álvarez als vielseitige Offensivoption, Cristian Romero in der Abwehr und Emiliano Martínez im Tor sind die prägenden Spieler neben Messi.