Frankreich an der WM 2026: Mbappés grosse Bühne

Spieler der französischen Nationalmannschaft im blauen Heimtrikot beim Einlaufen vor einem Länderspiel

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Wenn ich an die Équipe Tricolore denke, sehe ich zwei Bilder vor mir. Das erste ist Kylian Mbappé, der im Final 2022 in Katar innerhalb von anderthalb Minuten zwei Tore erzielt und ein Spiel zurückholt, das verloren schien. Das zweite ist derselbe Mbappé, der kurz darauf im Penaltyschiessen als einziger Franzose verwandelt und die Niederlage nicht verhindern kann. Genau zwischen diesen beiden Bildern steht Frankreich an der WM 2026: Vizeweltmeister, seit Jahren im Kreis der zwei oder drei Topfavoriten, und doch jedes Turnier neu unter dem Druck, endlich wieder den Titel zu holen.

Die Qualifikation der Bleus

Die französische UEFA-Qualifikation verlief so, wie man es von einer Mannschaft erwartet, die in ihrer Gruppe der klare Topfavorit ist: ohne grössere Ausrutscher, mit deutlichen Siegen gegen die schwächeren Gegner und mit kontrollierten Auftritten gegen die stärkeren. Frankreich beendete die Gruppe als Sieger mit komfortablem Vorsprung und sicherte sich das direkte WM-Ticket bereits mit mehreren Spieltagen Reserve. Die Qualifikation bot deshalb wenig Anlass zu Sorgen, aber auch wenig Gelegenheit, das Team unter Turnierbedingungen zu testen.

Was mir in den Qualifikationsspielen auffiel, war die Routine, mit der die Mannschaft Spiele über die Zeit brachte. Mbappé wurde oft früh ausgewechselt, junge Spieler erhielten Einsatzminuten, die Grundordnung blieb konstant. Didier Deschamps, der seit 2012 Trainer ist und auch 2026 noch im Amt sein wird, hat diese Phase genutzt, um die zweite Reihe des Kaders einzubauen und die Systemvarianten zu testen, die er für das Turnier im Kopf hat.

Interessant war die statistische Entwicklung der Torquote. Frankreich erzielte in der Qualifikation über zwei Tore pro Spiel, ein Wert, der in der jüngeren Geschichte der Bleus selten erreicht wurde. Die Kombination aus Mbappé, Ousmane Dembélé und einer flexiblen Mittelfeldzentrale führte zu einer Effizienz, die in Katar 2022 phasenweise fehlte. Gleichzeitig kassierte die Mannschaft in wenigen Spielen überraschend viele Gegentore, was auf strukturelle Anpassungsprobleme in der Abwehrreihe hindeutet.

Die Nations League und die Testspiele nach der Qualifikation zeigten die gleiche Mischung aus Spitzenklasse und Unsauberkeit. Frankreich ist die Mannschaft, die ein Spiel gegen Deutschland mit 3:0 gewinnen kann und im nächsten Spiel gegen einen Mittelklassegegner 1:1 stolpert. Genau diese Volatilität macht die Bleus zu einem der spannendsten Teams der WM: jeder Auftritt kann entweder eine Machtdemonstration oder eine Enttäuschung werden.

Der Kader rund um Mbappé

Kylian Mbappé ist der Dreh- und Angelpunkt. Der Wechsel zu Real Madrid im Sommer 2024 hat seiner Karriere eine neue Dimension gegeben. In Madrid spielt er in einem System, das seine Stärken noch besser zur Geltung bringt als das Kollektiv von Paris, und seine Torquote ist entsprechend hoch geblieben. Für die französische Nationalmannschaft bedeutet das: Mbappé kommt mit Rhythmus, mit mentaler Frische und mit dem Selbstvertrauen, das jeder Topstürmer vor einer WM braucht. Seine Rolle als Capitaine hat er in den letzten Jahren übernommen und gefestigt.

Neben ihm ist Ousmane Dembélé die zweite offensive Waffe. Dembélé, der nach seinem Wechsel von Barcelona zu Paris Saint-Germain eine neue Konstanz gefunden hat, bringt Tempo und Unberechenbarkeit auf den Aussenpositionen. Seine Fähigkeit, mit beiden Füssen abzuschliessen, macht ihn zu einem Spieler, den keine Innenverteidigung mit einem klaren Plan verteidigen kann. Dembélé ist nicht mehr der junge Spieler, der 2018 die WM gewann, sondern ein gereifter Stammspieler mit siebzig Länderspielen.

Im Mittelfeld ist Aurélien Tchouaméni der Anker. Der Spieler von Real Madrid, der bei der WM 2022 bereits eine Schlüsselrolle einnahm, ist heute der beste französische Sechser und einer der besten der Welt auf seiner Position. Tchouaméni deckt Räume, gewinnt Zweikämpfe und organisiert den Aufbau aus der Tiefe. Neben ihm spielt Eduardo Camavinga, ebenfalls von Real Madrid, der die Verbindung zwischen Defensive und Offensive herstellt und der als Allrounder auch im Spiel gegen tief stehende Gegner Lösungen findet.

Die zehnte Position ist die Schwachstelle, über die in Frankreich in den letzten Monaten am meisten diskutiert wurde. Antoine Griezmann, der in Katar die Rolle des offensiven Mittelfeldspielers und der Schaltstelle perfekt ausfüllte, hat sein Niveau in Madrid gehalten, aber die Frage ist, ob er 2026 noch die Rolle der Hauptfigur spielen kann oder ob der Trainer ihm eine entlastende Position zuweist. Deschamps hat mit mehreren Kandidaten experimentiert, darunter Warren Zaïre-Emery als jüngeren Achter und Youssouf Fofana als robustes Bindeglied.

In der Abwehr ist William Saliba der Anker. Der Innenverteidiger von Arsenal gehört zu den besten Europas und bringt das Profil, das Frankreich in den letzten Jahren oft fehlte: Spielaufbau aus der Tiefe, Kopfballstärke in beiden Strafräumen, und die Gelassenheit eines Topspielers unter Druck. Neben ihm spielt voraussichtlich Dayot Upamecano oder Ibrahima Konaté, beide auf hohem Niveau. Auf den Aussenverteidigerpositionen sind Jules Koundé rechts und Théo Hernández links die Stammoptionen. Im Tor bleibt Mike Maignan die sichere Wahl, mit Alphonse Areola als erfahrenem zweiten Mann.

Die Tiefe des Kaders und die zweite Reihe

Was Frankreich von anderen Topnationen unterscheidet, ist die absurde Tiefe der zweiten Reihe. Auf fast jeder Position gibt es einen Ersatzspieler, der bei einer kleineren Nation sofort Stammspieler wäre. Im Angriff stehen neben Mbappé und Dembélé mehrere Spieler bereit, die regelmässig in der Champions League treffen. Marcus Thuram als zentraler Stürmer oder Alternative auf dem Flügel bringt Physis und Torquote aus der Serie A mit. Bradley Barcola von Paris Saint-Germain ist der junge Flügelspieler, der in der letzten Saison seinen Durchbruch feierte und der in jeder Startelf einer europäischen Topmannschaft zumindest Anwartschaft hätte.

Im Mittelfeld ist die Situation ähnlich. Neben Tchouaméni und Camavinga warten Adrien Rabiot als erfahrener Achter und der junge Warren Zaïre-Emery, der mit neunzehn Jahren bereits zu den besten französischen Mittelfeldspielern gehört und der in den Testspielen seine Anwartschaft auf einen Stammplatz untermauert hat. Youssouf Fofana bringt Robustheit und defensive Disziplin, N’Golo Kanté steht je nach Fitness als Routinier bereit.

In der Abwehr und im Tor ist die Tiefe ebenfalls aussergewöhnlich. Leny Yoro von Manchester United ist der junge Innenverteidiger, der die Zukunft darstellt und der bei einem Ausfall von Saliba oder Upamecano ohne Qualitätsverlust einspringen kann. Ferland Mendy und Théo Hernández konkurrieren auf der linken Aussenverteidigerposition um den Stammplatz, beide mit Champions-League-Erfahrung. Diese Konkurrenzsituationen in fast jedem Mannschaftsteil sind das, was Deschamps in den letzten zwei Jahren als seinen grössten Luxus bezeichnet hat.

Gruppe I: Norwegen, Senegal, Irak

Die Auslosung hat Frankreich in die sogenannte Todesgruppe der WM 2026 geführt. In Gruppe I warten mit Norwegen und Senegal zwei Mannschaften, die auf europäischem oder afrikanischem Topniveau spielen und die jede andere Gruppe klar dominieren würden. Nur Irak ist der klassische Aussenseiter, der den Buchmachern erlaubt, die Gruppe nicht vollständig als Dreierduell zu bewerten.

Norwegen ist die Mannschaft, die in den letzten Jahren mehrfach knapp an einer Endrunde vorbeigeschrammt war. Mit Erling Haaland hat das Team einen der gefährlichsten Stürmer der Welt, mit Martin Ødegaard einen kreativen Kapitän, und mit einer kompetenten Innenverteidigung eine Basis, auf der sich Erfolg aufbauen lässt. Die Qualifikation für 2026 war das Ende einer langen Wartezeit, denn Norwegen hatte seit 1998 an keiner Weltmeisterschaft mehr teilgenommen. Diese Motivation wird das Team in jedes Gruppenspiel bringen, und das Duell mit Frankreich ist für norwegische Fans das Spiel, auf das sie seit einer Generation gewartet haben.

Haaland allein ist ein Argument, weshalb Norwegen als Schwergewicht in der Gruppe behandelt werden muss. Seine Torquote bei Manchester City ist seit drei Jahren auf einem Niveau, das in der Geschichte der Premier League ohne Vergleich ist. Gegen eine hoch stehende französische Abwehr wird er Räume finden, und jeder dieser Räume ist ein potenzielles Tor. Frankreich wird gegen Norwegen tiefer verteidigen müssen, als es gegen die meisten anderen Gegner der Fall wäre, und genau diese Anpassung bringt Risiken für das Spiel nach vorne mit sich.

Senegal ist der afrikanische Meister und eine der beiden oder drei stärksten Mannschaften des Kontinents. Mit Edouard Mendy im Tor, Kalidou Koulibaly in der Abwehr und einem tempostarken Offensivtrio ist die Mannschaft in der Lage, jedem Gegner auf Augenhöhe zu begegnen. Senegal erreichte bei der WM 2022 das Achtelfinal, und der Kader ist seither breiter und erfahrener geworden. Das Duell mit Frankreich hat zusätzlich eine historische Komponente, weil viele senegalesische Spieler in Frankreich geboren oder ausgebildet wurden, was die emotionale Spannung jedes direkten Duells erhöht.

Die jüngere Generation Senegals ist in Europa spielend. Nicolas Jackson bei Chelsea, Pape Gueye in der Serie A, Boulaye Dia im italienischen Mittelfeld. Diese Spieler bringen die Erfahrung aus den höchsten Ligen mit und wissen, wie man gegen Topmannschaften besteht. Sadio Mané bleibt ein Name, der Gewicht hat, auch wenn sein persönliches Niveau in den letzten zwei Jahren fluktuierte. Für Frankreich wird das Spiel gegen Senegal das anspruchsvollste der Gruppe, weil Senegal körperlich mithalten kann und gleichzeitig über genug Technik verfügt, um Räume zu bespielen.

Irak ist der WM-Debütant seit langem und die Mannschaft, die in diesem Feld die Rolle des klaren Aussenseiters spielt. Die Qualifikation lief über die asiatische AFC-Runde, und Irak setzte sich in einer engen Gruppe durch. Für die irakischen Fans ist die Teilnahme bereits der Erfolg, und ein einzelner Punkt gegen Norwegen, Senegal oder Frankreich wäre eine Sensation, die in der nationalen Geschichte einen Platz finden würde.

Mbappé nach dem Wechsel zu Real Madrid

Der Wechsel von Paris Saint-Germain zu Real Madrid im Sommer 2024 war für Mbappé der grösste Schritt seiner Karriere und gleichzeitig ein Risiko für die französische Nationalmannschaft. Bei PSG war er die unangefochtene Hauptfigur, das Spiel war auf ihn zugeschnitten, die Mitspieler hatten klare Aufgaben in seinem Umfeld. Bei Madrid spielt er in einem Ensemble, in dem Vinicius, Bellingham und Rodrygo ebenfalls zu den Weltbesten zählen und in dem die Hierarchie erst im Laufe der ersten Saison neu ausgehandelt werden musste.

Was dieser Wechsel für die Équipe Tricolore bedeutet, ist zweierlei. Erstens: Mbappé spielt heute in einer technisch und taktisch anspruchsvolleren Umgebung und muss sich gegen andere Topstars behaupten. Das schärft seine Fähigkeiten und zwingt ihn zu einer Weiterentwicklung, die in Paris ausgeblieben war. Zweitens: er hat gelernt, sich in ein Kollektiv einzufügen, in dem er nicht immer die erste Option ist. Diese Erfahrung wird in der Nationalmannschaft helfen, weil sie ihm die Rolle des Kapitäns erleichtert, der nicht jede Aktion selbst erledigen muss.

Die statistischen Zahlen aus seiner ersten Madrid-Saison sprechen eine klare Sprache. Mbappé schoss über 25 Tore in der Liga, dazu Treffer in der Champions League und im nationalen Pokal. Die Form, die er in die WM mitbringt, ist so gut wie in den letzten drei Jahren, und er steht an der Schwelle zu jenem Alter, in dem ein Topstürmer seine beste Zeit erlebt. Alles spricht dafür, dass die WM 2026 das Turnier wird, in dem Mbappé seine persönliche Bilanz über die von Ronaldo, Messi und Zidane im gleichen Alter erheben kann.

Outright-Quoten auf Frankreich

Die Quoten auf Frankreich als Weltmeister 2026 liegen im Bereich von 5.50 bis 7.00. Das ist die Quote für eine Mannschaft, die zu den zwei oder drei klaren Topfavoriten gehört, und sie bildet den Status der Bleus als Vizeweltmeister von 2022 genau ab. Im direkten Vergleich notiert Frankreich oft leicht tiefer als Brasilien und auf Augenhöhe mit Spanien und England.

Auf den Gruppensieg in Gruppe I liegt die Quote bei 1.80 bis 2.10, was deutlich höher ist als die Quoten der meisten anderen Topfavoriten auf ihren jeweiligen Gruppensieg. Der Grund liegt in der Stärke von Norwegen und Senegal, die den Markt zu einer Dreiteilung zwingen. Auf das Weiterkommen aus der Gruppe, also Platz eins oder zwei, liegt die Quote bei rund 1.10, was einer impliziten Wahrscheinlichkeit von etwa 90 Prozent entspricht.

Spannender sind die Quoten auf das Erreichen späterer Runden. Auf das Halbfinale liegt Frankreich bei rund 2.00, auf das Finale bei rund 3.20. Diese Zahlen sind aus meiner Sicht fair, weil sie die Stärke der Mannschaft abbilden, ohne in Übertreibung zu verfallen. Wer mit diesen Quoten arbeiten will, findet im Artikel zu Weltmeister-Prognose 2026 die methodische Basis dafür, wie Topfavoriten-Quoten im Vergleich zueinander bewertet werden.

Deschamps und das System der Bleus

Didier Deschamps ist seit 2012 Trainer der Équipe Tricolore. Dreizehn Jahre im Amt, zwei WM-Finals, ein WM-Titel, ein EM-Titel als Spieler und zahlreiche Qualifikationen ohne Makel. Deschamps polarisiert wie kein zweiter Trainer einer europäischen Topnation, weil seine Spielidee pragmatisch und resultatsorientiert ist, was in der französischen Öffentlichkeit oft als zu defensiv empfunden wird.

Die Grundordnung ist in der Regel ein 4-3-3 mit klaren Aufgaben. Mbappé spielt links, Dembélé rechts oder im Zentrum, dahinter agieren Tchouaméni und Camavinga als Doppelsechs mit einem Achter davor. Die Aussenverteidiger schieben hoch, wenn die Mannschaft das Spiel macht, und verteidigen tief, wenn der Gegner kontert. Diese Grundordnung ist flexibel genug, um gegen unterschiedliche Gegnertypen angepasst zu werden, und sie hat sich in den letzten beiden Turnieren bewährt.

Was Deschamps auszeichnet, ist die Fähigkeit, aus einer Mannschaft mit mehreren Topstars ein funktionierendes Kollektiv zu formen. Bei der WM 2022 war das trotz des Ausfalls von Karim Benzema, Paul Pogba und N’Golo Kanté der Fall, und das Team stand nach einem deutlich geschwächten Kader trotzdem im Final. Diese Coaching-Leistung ist in den Quoten nicht abgebildet, weil Quoten die Qualität der Spieler messen, nicht die Qualität der Organisation.

Ein Punkt, an dem Deschamps in der Öffentlichkeit oft kritisiert wird, ist die Behandlung junger Spieler. Talente wie Zaïre-Emery oder Leny Yoro mussten lange auf ihre Chancen warten, und die Mannschaft wirkt für viele Beobachter konservativer, als sie sein müsste. Diese Kritik ist nicht ganz unberechtigt, aber sie ignoriert, dass ein WM-Turnier kein Ort für Experimente ist. Deschamps setzt auf bewährte Spieler in bewährten Rollen, und diese Philosophie hat Frankreich in den letzten drei Turnieren zweimal ins Finale gebracht.

Die WM-Bilanz Frankreichs

Frankreich hat zwei Weltmeistertitel auf dem Konto: 1998 im eigenen Land und 2018 in Russland. Dazu kommt der verlorene Final 2006 gegen Italien und der verlorene Final 2022 gegen Argentinien. Vier Finalteilnahmen in sechs der letzten sieben Weltmeisterschaften sind eine Bilanz, die nur wenige Nationen erreichen. Das macht die Bleus zur beständigsten europäischen Topmannschaft des 21. Jahrhunderts.

Der Titel 1998 war der Durchbruch der französischen Fussballgeneration um Zinédine Zidane, Didier Deschamps als Kapitän und Emmanuel Petit. Der 3:0-Sieg im Final gegen Brasilien im Stade de France ist bis heute eine der ikonischen Erinnerungen des französischen Sports. Der Titel 2018 in Russland kam mit einer anderen Generation unter Trainer Deschamps. Die Mannschaft um Griezmann, Pogba und den damals neunzehnjährigen Mbappé setzte sich im Final 4:2 gegen Kroatien durch, in einem Spiel, das mehr Tore enthielt als die meisten WM-Finals der jüngeren Geschichte.

Der Final 2022 in Katar war die unglücklichste Niederlage. Nach einem 0:2-Rückstand bis zur 80. Minute brachte Mbappé das Spiel mit drei Toren in die Verlängerung und ins Penaltyschiessen, wo Frankreich verlor. Dieses Spiel ist in der französischen Erinnerung mit gemischten Gefühlen verbunden: Stolz auf den Comeback-Charakter, Trauer über die verpasste Titelverteidigung. Die Lehre, die Deschamps daraus gezogen hat, ist die Notwendigkeit, einen Final auch über die Verlängerung hinaus emotional zu tragen.

Vor Katar liegt in der WM-Geschichte Frankreichs eine lange Durststrecke. Zwischen 1958 und 1982 gab es keine einzige WM-Teilnahme mit einem Halbfinaleinzug, und zwischen 1986 und 1998 verpasste die Mannschaft mehrere Turniere ganz. Die zweite goldene Generation um Platini in den 1980er-Jahren holte zwei Halbfinals, aber nie einen Final. Erst mit der Generation Zidane wurde Frankreich zur konstanten Topnation, die sie heute ist.

Frankreichs Turnierverlauf zwischen Gruppe I und K.-o.-Phase

Mein Basisszenario für Frankreich ist Platz eins oder zwei in der Gruppe I, mit sieben Punkten und einer guten Tordifferenz. Danach ein Sechzehntelfinal-Sieg gegen einen Mittelklassegegner, ein Achtelfinal-Sieg gegen einen stärkeren Gegner, und im Viertelfinal oder Halbfinal ein offenes Spiel gegen eine andere Topmannschaft. Ein Halbfinaleinzug ist das wahrscheinlichste Resultat, ein Finaleinzug ist realistisch, ein Titelgewinn ist möglich.

Mein optimistisches Szenario: Mbappé hat seinen Frühling, die Bleus gewinnen jedes Spiel mit Autorität, das Team zieht ins Finale ein und holt den dritten Stern. Die Parallele zu 2018 wäre offensichtlich, und Mbappé würde mit seinem zweiten Titel vor seinem 28. Geburtstag in den Olymp der Fussballgrössten aufsteigen. Mein pessimistisches Szenario: Frankreich scheitert in einem engen Spiel gegen Norwegen oder Senegal in der Gruppenphase, verliert damit die Rangfolge der Gruppe und trifft in der K.-o.-Phase zu früh auf einen anderen Topfavoriten.

Was den Ausschlag geben wird, sind drei Faktoren. Erstens die Gesundheit von Mbappé, weil ohne ihn der offensive Plan der Mannschaft nicht funktioniert. Zweitens die Tagesform von Tchouaméni, weil er das Mittelfeld über sieben mögliche Spiele stabilisieren muss. Drittens die Fähigkeit von Deschamps, die jungen Spieler im richtigen Moment einzuwechseln und den alten Spielern die richtige Rollenklarheit zu geben. Wenn diese drei Faktoren stimmen, ist Frankreich einer der zwei wahrscheinlichsten Weltmeister 2026.

Ein vierter Faktor, der in öffentlichen Analysen oft unterschätzt wird, ist der Umgang mit der Hitze in Nordamerika. Frankreich wird seine Gruppenspiele in Stadien absolvieren, in denen die Temperaturen im Juni regelmässig über 30 Grad liegen. Die Mannschaft hat in den Testspielen des letzten Sommers bereits auf Hitzeszenarien vorbereitet, mit zusätzlichen Wasserpausen im Training und mit Ernährungsanpassungen. Der medizinische Stab um den Mannschaftsarzt ist einer der erfahrensten Europas, und diese logistische Stärke ist ein Vorteil, der in den Quoten keinen Platz findet.

Für eine direkte Einordnung der französischen Chancen im Vergleich zu den anderen Topfavoriten verweise ich auf die Übersicht der 48 Nationalmannschaften der WM 2026, in der die Marktbewertungen der wichtigsten Kandidaten direkt nebeneinandergestellt werden.

Wie hoch sind die Quoten auf Frankreich als Weltmeister 2026?

Die Quoten liegen im Bereich von 5.50 bis 7.00 und machen Frankreich zu einem der zwei oder drei klaren Topfavoriten. Die Marktbewertung ist ähnlich wie jene von Brasilien, Spanien und England.

In welcher Gruppe spielt Frankreich an der WM 2026?

Frankreich ist in Gruppe I gesetzt, gemeinsam mit Norwegen, Senegal und Irak. Die Gruppe gilt als die sogenannte Todesgruppe des Turniers, weil mit Norwegen und Senegal zwei weitere starke Mannschaften um die Plätze kämpfen.

Ist Didier Deschamps 2026 noch Trainer der Bleus?

Ja, Deschamps ist seit 2012 im Amt und wird auch die WM 2026 als Trainer der Équipe Tricolore bestreiten. Er ist der am längsten dienende Trainer einer europäischen Topnation.

Wie oft hat Frankreich die WM gewonnen?

Frankreich hat zwei WM-Titel auf dem Konto: 1998 im eigenen Land und 2018 in Russland. Dazu kommen die verlorenen Finals von 2006 und 2022.