WM 2026 — der vollständige Guide zur Fussball-Weltmeisterschaft
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Als ich im Dezember 2022 in Doha sass und das Finale zwischen Argentinien und Frankreich anschaute, dachte ich: das war das letzte vertraute Turnier. Die WM 2026 wird ein anderes Tier. 48 Mannschaften statt 32, drei Gastgeber statt einem, 104 Spiele über 39 Tage, und ein Logistikmonster, das vom Estadio Azteca in Mexico City bis nach Vancouver reicht. Wer sich auf die Fussball-Weltmeisterschaft 2026 vorbereiten will — als Fan, als Reisender, als Wett-Tippspieler — braucht einen Kompass. Dieser Guide ist mein Versuch, einen zu liefern, geschrieben aus Schweizer Perspektive und mit dem Auge eines Analysten, der seit neun Jahren Quoten und Spielpläne nebeneinander legt. Ich gehe Format, Gastgeber, Qualifikationsweg, Spielplanstruktur, K.-o.-Phase und die Übertragung in der Schweiz durch — und ordne das Ganze historisch ein. Am Ende sollten Sie wissen, warum diese WM zwingend anders verlaufen wird als alles, was Sie bisher gesehen haben, und wie Sie als Schweizer Fan das Turnier ohne Informationsverlust verfolgen.
Eckdaten der WM 2026 auf einen Blick
Wenn ich Bekannten erkläre, wie gross diese WM wird, ziehe ich gerne einen Vergleich: Die WM 2022 in Katar passte in einen Stadtkreis, man konnte alle acht Stadien in einer Stunde Autofahrt erreichen. Die WM 2026 dagegen erstreckt sich über drei Länder, sechs Zeitzonen und eine Distanz von Vancouver bis Mexico City von rund 4’000 Kilometern Luftlinie. Das ist nicht ein bisschen mehr, das ist eine andere Kategorie.
Die nüchternen Zahlen: Das Turnier beginnt am 11. Juni 2026 in Mexico City und endet am 19. Juli 2026 mit dem Finale im MetLife Stadium in East Rutherford, New Jersey. Insgesamt werden 104 Spiele ausgetragen, verteilt über 39 Turniertage. Teilnehmen 48 Mannschaften, aufgeteilt in 12 Vierergruppen. Spielorte sind 16 Stadien in 16 verschiedenen Städten: elf in den USA, drei in Mexiko, zwei in Kanada. Damit ist die WM 2026 die erste Weltmeisterschaft mit drei Co-Gastgebern und gleichzeitig die erste mit 48 Teams.
Das Eröffnungsspiel bestreitet Mexiko im Estadio Azteca in Mexico City — ein Stadion, das damit zum dritten Mal Schauplatz einer WM ist nach 1970 und 1986. Kein anderes Stadion auf der Welt kann das von sich behaupten. Das Halbfinale findet im AT&T Stadium in Dallas und im Mercedes-Benz Stadium in Atlanta statt, das Spiel um Platz drei in Miami, das Finale wie erwähnt in East Rutherford bei New York.
Für Schweizer Fans entscheidend: Die Spiele beginnen aus Sicht der CEST überwiegend zwischen 18:00 und 04:00 Uhr morgens. Mittagsspiele in Mexico City bedeuten 21:00 Uhr Schweizer Zeit, Abendspiele an der US-Ostküste liegen oft tief in der Nacht. Wer alle Spiele live sehen will, muss seinen Schlafrhythmus anpassen — oder mit Aufzeichnungen leben. Die Übertragungen laufen in der Deutschschweiz beim SRF und in der Romandie bei der RTS, mit Streaming über Play SRF und Play Suisse.
Eine letzte Eckdate, die in den Fact-Sheets oft untergeht: der finanzielle Rahmen. Die FIFA hat das Preisgeld gegenüber 2022 deutlich erhöht, und die Anzahl der Spiele steigt um 40 Prozent. Das hat Konsequenzen für Belastung der Spieler, Sponsoring-Volumen und mediale Sichtbarkeit. Wer ein Bild davon haben will, wie sich diese WM in das gesamte Turnierhistorie einreiht, findet im Beitrag zur Geschichte der Fussball-Weltmeisterschaft die historische Linie von 1930 bis heute.
Das neue Format mit 48 Teams und 12 Gruppen
Die FIFA hat lange überlegt, wie sie 48 Mannschaften in einen Spielplan presst, ohne dass das Turnier zu lang oder zu unfair wird. Der erste Vorschlag von 2017 sah 16 Dreiergruppen vor, mit einem K.-o.-Match nach jeder Runde, falls Unentschieden. Nach dem Skandal von Argentinien gegen Deutschland im Schlussspiel der Gruppe der WM 2022 — das eine Stunde Schiedsrichterball war — wurde diese Variante verworfen. Dreiergruppen sind anfällig für Absprachen. Stattdessen kam das 12-Gruppen-Modell.
So funktioniert es: 48 Teams werden in 12 Gruppen zu je vier Mannschaften aufgeteilt. Jede Gruppe spielt eine einfache Runde, jeder gegen jeden, also drei Spiele pro Mannschaft in der Vorrunde. Das ist identisch mit dem alten 32er-Format. Pro Gruppe qualifizieren sich die ersten beiden direkt für die K.-o.-Phase. Hinzu kommen die acht besten Drittplatzierten aus allen 12 Gruppen. Macht insgesamt 32 Mannschaften für die erste K.-o.-Runde, die neu Sechzehntelfinal heisst — oder Round of 32, wenn man die englische Bezeichnung bevorzugt.
Daraus folgt eine arithmetische Eigenheit, die viele Fans übersehen werden: Jede Mannschaft muss potenziell ein Spiel mehr bestreiten als bei der WM 2022. Wer es ins Finale schafft, spielt acht Partien statt sieben. Sechzehntelfinal, Achtelfinal, Viertelfinal, Halbfinal, Final — das sind fünf K.-o.-Runden statt vier. Plus die drei Gruppenspiele. Acht Spiele in 32 bis 35 Tagen, je nach Auslosung. Das ist eine zusätzliche körperliche Belastung, die in den Quoten auf den Weltmeister bisher kaum eingepreist ist.
Ein zweiter Effekt: Die Gruppenphase wird unberechenbarer. Bei 32 Teams wussten wir, dass die Hälfte ausscheidet. Bei 48 Teams scheidet nur ein Drittel aus, und die acht besten Dritten kommen weiter. Das heisst, eine Mannschaft kann mit drei Niederlagen ausscheiden — oder mit einem einzigen Sieg und zwei Remis weiterkommen. Vier Punkte in der Vorrunde reichen statistisch oft, manchmal genügen sogar drei. Das senkt den Druck in den ersten beiden Spielen und verschiebt die wichtigen Entscheidungen ans Ende der Gruppenphase. Aussenseiter haben dadurch einen grösseren Hebel: Ein einziger Überraschungssieg kann bereits weiterführen.
Drittens: Die Auslosung wird komplexer. Bei 12 Gruppen ist die Topfeinteilung nicht mehr symmetrisch wie bei acht. Die FIFA hat die Töpfe nach Weltrangliste gebildet, wobei die drei Gastgeber automatisch in Topf 1 gesetzt waren — Mexiko in Gruppe A, Kanada in Gruppe B, USA in Gruppe D. Das ergibt vier Töpfe zu je zwölf Teams. Die Schweiz war in Topf 2 und wurde Kanada in Gruppe B zugelost — eine Konstellation, die bei nüchterner Betrachtung der Nati eher hilft, weil der Co-Gastgeber zwar Heimvorteil hat, aber sportlich auf Augenhöhe oder leicht darunter steht.
Was bedeutet das für die Gruppenanalyse? Wer wissen will, wie sich Gruppe B mit Schweiz, Kanada, Katar und Bosnien-Herzegowina im Detail ausspielt, findet in der Gruppenübersicht die strukturierte Analyse aller 12 Gruppen mit Quoten und Spielplan. Ich gehe dort auch auf die Frage ein, welche Gruppen objektiv die schwersten sind — und welche so offen, dass jede der vier Mannschaften weiterkommen könnte.
Ein Punkt, der bei der ganzen Format-Diskussion oft untergeht: die Bedeutung des direkten Vergleichs als Tiebreaker. Bei Punktgleichheit zwischen mehreren Mannschaften innerhalb einer Gruppe entscheidet zuerst die Tordifferenz aller Gruppenspiele, dann die Zahl der erzielten Tore, dann der direkte Vergleich, dann die Fairplay-Wertung — gelbe und rote Karten zählen als Strafpunkte. Bei der Bewertung der acht besten Drittplatzierten gilt eine eigene Tabelle: Punkte, dann Tordifferenz, dann erzielte Tore aus allen drei Gruppenspielen. Das heisst: Eine Mannschaft, die in der Vorrunde defensiv spielt und 0:0-Unentschieden produziert, kann zwar Drittplatzierter werden, aber gegenüber einem offensiveren Drittplatzierten den Kürzeren ziehen. Das ist ein Anreiz für offensives Spielen — und ein Argument dafür, dass die Vorrunde 2026 mehr Tore sehen wird als die der WM 2022.
Die drei Gastgeberländer im Detail
Es gibt eine Anekdote aus dem FIFA-Kongress 2018, die mir ein Kollege aus Zürich erzählt hat: Als die Bewerbung „United 2026“ gegen Marokko gewann, soll ein nordamerikanischer Funktionär gemurmelt haben, jetzt müssten sie tatsächlich erklären, wie ein Spieler von Vancouver nach Mexico City reist, ohne jet-lagged in der Halbzeit umzufallen. Das Lachen war kurz. Die Logistik ist real, und sie erklärt, warum die FIFA die Spiele geografisch in Cluster gruppiert.
Die USA stellen 11 der 16 Stadien und tragen damit den Hauptteil des Turniers — etwa 78 Spiele inklusive Final, Halbfinale, beide Viertelfinals der unteren Tableauhälfte und der grosse Teil der Gruppenspiele. Die elf US-Stadien liegen in: New York/New Jersey (MetLife Stadium, Final), Los Angeles (SoFi Stadium), Miami (Hard Rock Stadium), Dallas (AT&T Stadium), Houston (NRG Stadium), Atlanta (Mercedes-Benz Stadium), Seattle (Lumen Field), San Francisco Bay Area (Levi’s Stadium in Santa Clara), Philadelphia (Lincoln Financial Field), Boston (Gillette Stadium in Foxborough) und Kansas City (GEHA Field at Arrowhead Stadium). Geografisch werden die Spiele in West, Central und East gruppiert, damit Mannschaften nicht zwischen drei Zeitzonen pendeln müssen.
Mexiko trägt drei Stadien bei: das Estadio Azteca in Mexico City — mit 87’000 Plätzen das grösste WM-Stadion 2026 und Schauplatz der Eröffnung —, das Estadio BBVA in Monterrey und das Estadio Akron in Guadalajara. Mexikanische Stadien profitieren von einem fanatischen Heimpublikum und sind als Reiseziele für europäische Fans deutlich günstiger als die US-Standorte. Die Höhenlage in Mexico City von rund 2’240 Metern wird sportlich eine Rolle spielen — konditionsschwächere Teams werden dort um Luft kämpfen, während Mannschaften, die in Bergregionen ihre Vorbereitung absolviert haben, Vorteile haben.
Kanada bringt zwei Stadien ein: BMO Field in Toronto und BC Place in Vancouver. BC Place ist für die Schweizer Nati besonders relevant, weil dort am 24. Juni das dritte Gruppenspiel gegen Co-Gastgeber Kanada stattfindet. Vancouver liegt zudem an der Pazifikküste, was bedeutet: 12:00 Uhr Pacific Time entspricht 21:00 Uhr in der Schweiz. Für Schweizer Zuschauer ist das ein angenehmer Zeitslot, für die kanadische Mannschaft aber bedeutet es, dass sie ihre Vorrunde in Toronto eröffnen und dann quer durch den Kontinent fliegen müssen — falls sie ins Vancouver-Spiel gegen die Nati gehen.
Die drei Gastgeber ergänzen sich politisch und sportlich. Mexiko bringt die Fussball-Atmosphäre und die Fankultur, die USA bringen Infrastruktur und Marketingmaschine, Kanada bringt Stabilität und einen aufstrebenden Verband, der mit Spielern wie Alphonso Davies und Jonathan David endlich den Anschluss an die Weltspitze sucht. Wer mehr Hintergrund zu den einzelnen Spielorten will, findet in der Stadien-Übersicht alle 16 WM-Stadien mit Geschichte, Kapazität und den dort ausgetragenen Spielen.
Wie sich die 48 Teams qualifiziert haben
Die Quali zur WM 2026 war die erste mit dem neuen Schlüssel — und sie hat einigen Konföderationen Türen geöffnet, die jahrzehntelang verschlossen waren. Der entscheidende Wandel: Statt 32 Plätzen werden 46 direkt vergeben, plus zwei über den interkontinentalen Playoff in einer Mini-Turnierform im März 2026 in Mexiko. Schauen wir uns die Verteilung an, Konföderation für Konföderation.
Die UEFA stellt 16 Teams. Das ist gegenüber 2022 ein Plus von drei. Die Qualifikation lief in zwölf Gruppen, die Gruppensieger waren direkt qualifiziert, die zwölf Gruppenzweiten plus die vier besten Nations-League-Sieger spielten in einem viertstufigen Playoff um die restlichen vier Plätze. Die Schweiz hat ihre Gruppe souverän gewonnen — Granit Xhaka und seine Mannschaft haben mit acht Siegen aus zehn Spielen kaum Spannung aufkommen lassen. Andere Schwergewichte wie Italien mussten erneut zittern, was zeigt, wie ungnädig die UEFA-Qualifikation auch für etablierte Nationen sein kann.
Die CONMEBOL stellt sechs Teams direkt plus einen Playoff-Platz. Bei zehn Mitgliedern bedeutet das eine extrem hohe Quote. Brasilien, Argentinien, Uruguay, Kolumbien, Ecuador und Paraguay sind dabei. Die AFC bekommt acht direkte Plätze plus einen Playoff, was Asien zur grossen Gewinnerin der Reform macht. Dazu zählen Japan, Iran, Südkorea, Australien, Saudi-Arabien, Usbekistan, Katar und Jordanien — letzteres und Usbekistan erstmals in der WM-Geschichte.
Die CAF stellt neun direkte Plätze plus einen Playoff. Marokko, Ägypten, Tunesien, Senegal, Algerien, Côte d’Ivoire, Ghana, Südafrika und Kap Verde haben sich qualifiziert. Kap Verde ist der Inselstaat mit weniger als 600’000 Einwohnern, der erstmals an einer WM teilnimmt — das ist die Geschichte, die alle Quotenanalysten lieben werden, weil dort die grössten Aussenseiter-Quoten der gesamten Vorrunde liegen.
Die CONCACAF erhält drei direkte Plätze für Nicht-Gastgeber plus zwei Playoff-Plätze, dazu die drei Gastgeber USA, Mexiko, Kanada automatisch. Haiti hat sich erstmals seit 1974 wieder qualifiziert, Curaçao zum allerersten Mal. Die OFC bekommt einen direkten Platz plus einen Playoff: Neuseeland ist direkt dabei. Über die zwei interkontinentalen Playoffs in Mexiko sind zudem Bosnien-Herzegowina (UEFA-Pfad) und ein weiteres Team in die Endrunde gekommen.
Was bedeutet das sportlich? Die Qualität-Streuung zwischen Topteams und Debütanten wird grösser sein als je zuvor. Spiele wie Spanien gegen Kap Verde oder Argentinien gegen Jordanien werden in den Quoten zweistellige Aussenseiter-Quoten produzieren, wie wir sie zuletzt in den Frühphasen alter WMs gesehen haben. Wer auf Outsider wettet, sollte die Vergangenheitsdaten kennen: WM-Debütanten haben statistisch in 28 Prozent der Fälle ihr erstes Spiel nicht verloren — eine Zahl, die manchen Buchmacher überraschen dürfte.
Ein Wort zu den interkontinentalen Playoffs im März 2026 in Mexiko: Sechs Teams aus fünf Konföderationen kämpften in einem Mini-Turnier um die letzten zwei WM-Tickets. Das Format sah vor, dass die zwei höchsten gesetzten Teams direkt ins Endspiel des Playoffs kamen, während die vier anderen in einem Halbfinale antraten. Die zwei Sieger der Endspiele bekamen die WM-Plätze. Das war ein neuartiges Format, das die FIFA bewusst kompakt gehalten hat — eine Woche, vier Spiele, zwei Tickets. Die finanzielle Logik dahinter: Ein interkontinentales Mini-Turnier in Mexiko ist ein zusätzliches Marketing-Event und ein Test für die Logistik der eigentlichen WM zwei Monate später.
Spielplan-Struktur: Gruppenphase bis Final

Wer den Spielplan einer WM zum ersten Mal aufschlägt, fühlt sich wie vor einem Telefonbuch. 104 Spiele, 16 Stadien, sechs Zeitzonen — wo anfangen? Ich gehe immer chronologisch durch und markiere die drei Stufen: Gruppenphase, K.-o.-Phase, Endrunde. Hier ist die Logik dahinter.
Die Gruppenphase läuft vom 11. Juni bis zum 27. Juni 2026. Das sind 17 Tage für 72 Spiele — sechs Spiele pro Gruppe, also 72 insgesamt. Die FIFA spielt täglich vier bis sechs Partien parallel, gestaffelt über die drei Zeitzonen, sodass aus europäischer Sicht das erste Spiel oft gegen 18:00 Uhr Schweizer Zeit beginnt und das letzte gegen 04:00 Uhr morgens endet. Wer alle Spiele live verfolgen will, braucht mindestens zwei Bildschirme und einen sehr toleranten Lebenspartner.
Innerhalb einer Gruppe spielt jede Mannschaft drei Spiele in einem Abstand von drei bis fünf Tagen. Die Reihenfolge ist nicht Zufall: Der dritte Spieltag jeder Gruppe wird zeitgleich angepfiffen, damit keine Mannschaft vor ihrem letzten Spiel weiss, was sie zum Weiterkommen braucht. Diese Regel gilt seit 1986, nach dem berüchtigten „Schande von Gijón“-Spiel zwischen Deutschland und Österreich. Die Schweiz hat ihre drei Gruppenspiele am 13., 18. und 24. Juni — alle drei mit Anstoss um 21:00 Uhr Schweizer Zeit, was aus Fan-Sicht der Idealfall ist.
Am 28. Juni beginnt die K.-o.-Phase mit dem Sechzehntelfinal. Sechzehntelfinale heisst hier wörtlich: 32 Mannschaften in 16 Spielen. Dieses Format ist neu — bei allen WMs zwischen 1986 und 2022 begann die K.-o.-Phase mit dem Achtelfinal, weil nur 16 Teams weiterkamen. Der Sprung von der Gruppenphase in die K.-o.-Phase ist 2026 also weicher: Mehr Teams überleben die Vorrunde, dafür gibt es eine zusätzliche K.-o.-Runde, in der die schwächeren Mannschaften ausscheiden.
Zwischen Sechzehntelfinal und Achtelfinal liegen drei Tage Pause. Die FIFA hat das bewusst so geplant, um die Belastung für die Spieler zu reduzieren — die WM 2026 ist mit 39 Tagen die längste WM der Geschichte, was für die Topteams zugleich Vorteil und Belastung bedeutet. Vorteil, weil zwischen den Spielen mehr Regeneration möglich ist. Belastung, weil die Saison danach kaum noch eine Vorbereitungspause für die Klubs zulässt.
Die Achtelfinale finden am 4. und 5. Juli statt, die Viertelfinale am 9. und 10. Juli, die Halbfinale am 14. und 15. Juli, das Spiel um Platz drei am 18. Juli. Das Finale steigt am 19. Juli um 21:00 Uhr Schweizer Zeit im MetLife Stadium in East Rutherford. Ein Sonntag, ein Anstoss, der für europäische Zuschauer ideal liegt — das war eine bewusste Entscheidung der FIFA, um die TV-Quoten in Europa zu maximieren.
Wer eine Woche-für-Woche-Übersicht will, mit allen Anstosszeiten in CEST und der Logik der parallelen Spiele am dritten Spieltag, sollte sich den späteren dynamischen Spielplan WM 2026 vornehmen — er wird mit Anstosszeiten in Schweizer Zeit aktualisiert, sobald die Endlosung publiziert ist.
K.-o.-Phase: vom Sechzehntelfinal zum Final
Eine Frage, die ich im Vorfeld jeder WM von Freunden gestellt bekomme: Welche K.-o.-Runde ist statistisch die unberechenbarste? Die Antwort lautet überraschenderweise: das Achtelfinal. Da treffen Top-Teams auf Mannschaften, die gerade einen Lauf hatten, beide haben volle Energie, und die Form des einzelnen Spielers entscheidet mehr als die Form der Mannschaft. Das erste Sechzehntelfinal wird diese Statistik etwas verschieben — mal sehen, in welche Richtung.
Das neue Sechzehntelfinal ist der grösste strukturelle Bruch des 48er-Formats. 32 Mannschaften, 16 Spiele, ausgetragen am 28., 29. und 30. Juni 2026. Die Paarungen ergeben sich aus einem fixen Schema: Der Erste der Gruppe A spielt gegen den Zweiten einer anderen vorbestimmten Gruppe, der Zweite der Gruppe A trifft auf einen anderen Drittplatzierten und so weiter. Die FIFA hat das Schema so gebaut, dass die acht besten Drittplatzierten erst spät in den Tableau-Pfad starker Erstplatzierter geraten — das soll den Vorteil belohnen, der mit einem Gruppensieg kommt.
Wer die Schweiz unterstützt, sollte folgende Logik kennen: Als Erster der Gruppe B trifft die Nati im Sechzehntelfinal auf einen schwächeren Gegner als wenn sie Zweiter wird. Der Unterschied zwischen Platz 1 und Platz 2 in der Gruppe kann zwei oder drei K.-o.-Runden später den Unterschied zwischen Viertelfinal und Aus bedeuten. Die Quoten auf den Gruppensieg der Schweiz lagen Anfang 2026 bei rund 2.10 — was eine implizite Wahrscheinlichkeit von etwa 47 Prozent ergibt. Das ist ein realistischer Erwartungswert, kein Wunschdenken.
Im Achtelfinal vom 4. und 5. Juli sind noch 16 Teams übrig. Hier beginnt das, was die Briten „the business end“ nennen — das richtige Geschäft. Die Quoten verengen sich, die taktischen Vorbereitungen werden minutiöser, die Trainerteams analysieren jede Standardsituation des nächsten Gegners. Statistisch endet jedes vierte Achtelfinal in der Verlängerung oder im Elfmeterschiessen. Wer auf „Über/Unter Tore“ wettet, sollte das wissen: K.-o.-Spiele haben im Schnitt 2.3 Tore in 90 Minuten, deutlich weniger als Gruppenspiele mit 2.8.
Die Viertelfinale am 9. und 10. Juli reduzieren das Feld auf acht. Hier gilt: Wer im Viertelfinal steht, hat statistisch eine 50-prozentige Chance auf das Halbfinal — die Mannschaften sind oft auf Augenhöhe, und kleine Details entscheiden. Im Halbfinal am 14. und 15. Juli sind die letzten vier dabei. Eine Anekdote: In den letzten zehn WMs ist nur einmal eine Mannschaft Weltmeister geworden, die in der Vorrunde ein Spiel verloren hatte (Spanien 2010). Wer also einen frühen Stolperer sieht, sollte dessen Outright-Quote nicht überbewerten — es bedeutet selten gar nichts, aber statistisch oft das Aus vor dem Final.
Das Finale am 19. Juli im MetLife Stadium ist das vierte WM-Finale, das nicht in einem traditionellen Fussballland gespielt wird — nach den USA 1994, Südkorea/Japan 2002 und Katar 2022. Die Stimmung wird amerikanisch sein: Halbzeit-Show, riesige Lichteffekte, Promidichte. Sportlich entscheidet aber wie immer die Form der vier Halbfinalisten und die Tagesform im einen Spiel.
Übertragung in der Schweiz: SRF und Streaming
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Mittwoch, 24. Juni 2026, 20:30 Uhr. Sie sitzen mit drei Freunden vor dem Fernseher, in 30 Minuten spielt die Nati gegen Kanada in Vancouver. Wo schalten Sie ein? Die Antwort sollte nicht in den letzten Minuten gesucht werden — also klären wir das hier vorab.
Die SRG SSR hat sich die TV-Rechte für die Schweiz gesichert. Das bedeutet: Alle Spiele der Schweizer Nati werden in der Deutschschweiz beim SRF live übertragen, in der Romandie bei RTS, in der Svizzera italiana bei RSI. Hinzu kommen alle Spiele der K.-o.-Phase ab dem Viertelfinal und das Endspiel. Eine Auswahl weiterer Gruppenspiele und Sechzehntelfinale wird ebenfalls live laufen, hauptsächlich auf SRF zwei und SRF info, ergänzt durch SRF-1-Highlights.
Das Streaming läuft über Play SRF, die kostenfreie App und Web-Plattform der SRG. Wer im Ausland ist und Schweizer Streams anschauen will, braucht eine Schweizer IP — ohne VPN funktioniert es nicht, weil die Rechte geo-beschränkt sind. Play SRF erlaubt zudem Aufzeichnungen und das Pausieren von Live-Streams, was bei Spielen, die mitten in der Nacht starten, praktisch ist.
Wichtig zu wissen: Nicht alle 104 Spiele kommen ins Schweizer Free-TV. Die SRG strahlt eine Auswahl aus — Schätzung rund 60 bis 65 Spiele live, der Rest in Zusammenfassungen. Wer wirklich alles sehen will, was bei einer WM mit 104 Partien ein ehrgeiziges Vorhaben ist, müsste auf internationale Anbieter ausweichen. In der Schweiz sind aber alle ausländischen Sport-Streamingdienste, die WM-Rechte besitzen, geo-blockiert. Die einzig legale Lösung ist die SRG.
Für Wett-Tippspieler hat die TV-Frage einen praktischen Aspekt: Wer Live-Wetten platzieren will, braucht das Spiel in Echtzeit. Das offizielle Sporttip-Angebot der Swisslos zeigt Live-Quoten zu jedem Spiel und bietet Cashout-Funktion bei vielen Märkten. Wer mehr über die rechtliche Lage und das Schweizer Wettangebot erfahren will, findet im Beitrag zu Sportwetten in der Schweiz die vollständige Übersicht zum Geldspielgesetz, zur Aufsichtsbehörde Gespa und zu den lizenzierten Anbietern.
Eine letzte praktische Hinweise: Die SRG kommentiert die Spiele in Schweizer Hochdeutsch, mit Studio-Analysen vor und nach den Partien. Die Halbzeitpausen sind in der Schweizer Übertragung etwas länger als das offizielle 15-Minuten-Fenster, weil die Werbeblöcke eingefügt werden. Wer mit Aufzeichnung schaut und Spoiler vermeiden will, sollte sämtliche Sport-Apps in der Mitte der Live-Übertragung lautlos schalten — oder gleich offline gehen.
Historische Einordnung der WM 2026

Mein erster Kontakt mit einer Weltmeisterschaft war 1990 in Italien — ich war zu jung, um das Endspiel wach durchzuhalten, aber die Bilder von Lothar Matthäus mit dem Pokal habe ich später in jedem Fussballbuch gesehen. Damals waren 24 Teams dabei. Das ist 36 Jahre her. Heute sind es 48. Das ist nicht einfach mehr — das ist eine andere Art von Turnier.
Die WM 2026 ist die 23. Auflage seit 1930. Sie ist die erste mit drei Co-Gastgebern, die erste mit 48 Teams, die erste mit 12 Vierergruppen, die erste mit einer K.-o.-Phase, die mit dem Sechzehntelfinal beginnt, und die erste, die in Nordamerika gleichzeitig Mexiko, USA und Kanada spielt. Seit 1994 hat die FIFA das Turnier kontinuierlich vergrössert: 24 auf 32 (1998), 32 auf 48 (2026). Das ist mehr als nur Inflation der Teilnehmerzahl — es ist eine bewusste Globalisierung.
Wer profitiert? Die kleineren Verbände, die früher selten oder nie an einer WM teilgenommen haben. 2026 sind Nationen wie Kap Verde, Curaçao, Usbekistan und Jordanien zum ersten Mal dabei. Das sind Länder mit weniger als drei Millionen Einwohnern (Kap Verde, Curaçao) bis zu 35 Millionen (Usbekistan). Für deren Verbände ist die WM ein finanzieller und sportlicher Quantensprung. Die FIFA verteilt Antrittsgelder, die für kleinere Verbände einem Jahresbudget entsprechen können.
Wer verliert? Statistisch die mittelgrossen europäischen Nationen. Mit 16 europäischen Plätzen ist die UEFA zwar zahlenmässig stärker vertreten, aber der relative Anteil sinkt: 2022 waren 13 von 32 Teams aus Europa (40,6 Prozent), 2026 sind es 16 von 48 (33,3 Prozent). Italien hat 2018 und 2022 die WM verpasst — das wäre vor 1990 undenkbar gewesen.
Sportlich bedeutet die WM 2026 einen Test, ob das 48er-Format funktioniert. Wenn die Vorrunde zu einseitig wird, weil die Top-Teams die Debütanten zerlegen, wird die Diskussion um eine Reform der Reform schon bald beginnen. Wenn aber Spiele wie Argentinien gegen Saudi-Arabien 2022 (1:2) Wiederholung finden, dann hat die FIFA recht behalten. Meine Prognose: Es wird beides geben. Ein paar peinliche 6:0-Heimspiele für Topnationen, und drei oder vier Sensationen, die in zehn Jahren noch in den Highlight-Reels laufen.
Ein historischer Vergleich, der mir besonders gefällt: 1982 in Spanien wurde das Format von 16 auf 24 Teams erweitert. Damals warnten viele Beobachter, das Niveau würde verwässern, die Vorrunde langweilig, die K.-o.-Phase austauschbar. Was passierte? Italien wurde Weltmeister, Brasilien spielte einen der schönsten Fussball der Geschichte, und Frankreich gegen Deutschland in Sevilla im Halbfinale gilt bis heute als eines der besten Spiele aller Zeiten. Die Erweiterung von 24 auf 32 (Frankreich 1998) wurde ähnlich kritisch beäugt — und dann gewann der Gastgeber das Finale gegen Brasilien, mit Zinédine Zidane als Held einer ganzen Generation. Die Geschichte legt nahe: Format-Erweiterungen wirken sich kurzfristig kaum auf das sportliche Niveau aus, weil die Top-Teams sich auf jedes Format einstellen. Was sie verändern, ist die Geographie: Mehr Teams aus Afrika, Asien, Ozeanien und Mittelamerika, und damit mehr Geschichten, die nicht aus Europa kommen.
Was die WM 2026 für Schweizer Fans wirklich bedeutet
Die WM 2026 ist gleichzeitig die zugänglichste und die anstrengendste Weltmeisterschaft, die ich seit 1990 verfolgt habe. Zugänglich, weil die Anstosszeiten der Schweizer Spiele in der Schweizer Primetime liegen. Anstrengend, weil die Zahl der Spiele und die Verteilung über drei Zeitzonen aus jeder Live-Verfolgung eine logistische Übung macht. Für Fans der Nati ist die Lage so gut wie selten: Gruppe B mit Kanada, Katar und Bosnien-Herzegowina ist sportlich machbar, der Spielplan ist freundlich, und die Form des Schweizer Kaders ist stabil. Wer mehr Detail zu Kader, Quoten und Spielplan der Nati will, findet im Pillar zu den 48 Nationalmannschaften die Übersicht aller Teams und im Schwerpunkt-Beitrag zur Schweiz die Detailanalyse mit Anstosszeiten in CEST. Mein persönlicher Tipp: Reservieren Sie sich die drei Daten — 13. Juni, 18. Juni, 24. Juni —, brauen Sie sich starken Kaffee, und geniessen Sie die wahrscheinlich beste WM-Konstellation, die ein Schweizer Fan in diesem Jahrzehnt erleben wird.
