Alle 12 Gruppen der WM 2026 — Spielplan und Quoten

Fussballspieler im Zweikampf um den Ball auf dem Rasen eines grossen Stadions bei einem WM-Gruppenspiel

Sportvorhersagen

Ladevorgang...

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Das erste Mal, als ich den Auslosungstopf der WM 2026 vor mir liegen hatte, dachte ich: zwölf Gruppen, das ist arithmetisch unangenehm. Acht Gruppen waren bequem — vier Vierertische, sauber symmetrisch, jeder Gruppe folgte ein Achtelfinal-Paar. Zwölf Gruppen sind eine andere Bauart. Es bleiben 32 statt 16 Mannschaften für die K.-o.-Phase übrig, und das Tableau muss anders gerechnet werden, weil die acht besten Drittplatzierten zusätzlich weiterkommen. Wer das System einmal verstanden hat, sieht plötzlich Zusammenhänge, die in der alten Logik nie existierten — wie etwa die Tatsache, dass ein Drittplatzierter aus einer „leichten“ Gruppe statistisch weniger Chancen auf die Qualifikation hat als ein Drittplatzierter aus einer schweren Gruppe, weil die Punktausbeute zählt. Dieser Pillar führt durch alle zwölf Gruppen der WM 2026, mit Quoten, Spielplänen und einer realistischen Einschätzung pro Konstellation. Schwerpunkt liegt auf Gruppe B mit der Schweiz, weil das die Konstellation ist, die für Schweizer Fans am meisten zählt. Aber auch die anderen elf Gruppen haben ihre eigenen Geschichten — und manche davon werden Geschichte schreiben.

Das 12-Gruppen-Format und der Modus

Eine Bemerkung, die mein Lieblingsfussballhistoriker einmal fallen liess: Die FIFA habe das 12-Gruppen-Format gewählt, weil 16 Dreiergruppen mathematisch die elegantere, sportlich aber die katastrophale Lösung gewesen wäre. Er hatte recht. Dreiergruppen sind anfällig für stille Absprachen im letzten Spiel — die berüchtigte „Schande von Gijón“ 1982 lässt grüssen. Bei Vierergruppen werden die letzten zwei Spiele simultan ausgetragen, was Manipulation praktisch verunmöglicht.

So funktioniert der Modus: 48 Mannschaften werden in 12 Vierergruppen verteilt — A bis L. Innerhalb jeder Gruppe spielt jede Mannschaft einmal gegen jede andere, also drei Spiele pro Mannschaft, sechs Spiele pro Gruppe. Insgesamt sind das 72 Vorrundenspiele. Pro Gruppe qualifizieren sich die ersten beiden Mannschaften direkt für die K.-o.-Phase. Hinzu kommen die acht besten Drittplatzierten aus allen zwölf Gruppen. Macht 32 Mannschaften für das Sechzehntelfinal — die erste K.-o.-Runde mit dem klassischen Namen Round of 32.

Die Reihenfolge der Tabellenkriterien bei Punktgleichheit: Punkte, dann Tordifferenz aus allen Gruppenspielen, dann erzielte Tore, dann der direkte Vergleich (Punkte, Tordifferenz, Tore unter den punktgleichen Mannschaften), dann Fairplay-Wertung anhand gelber und roter Karten, dann Losentscheid. Bei der Wertung der Drittplatzierten gilt die gleiche Reihenfolge, allerdings über alle Gruppen hinweg.

Was bedeutet das praktisch für die Quotenanalyse? Erstens: Die Bedeutung der Tordifferenz steigt deutlich gegenüber dem alten 32er-Format. Wer als Drittplatzierter weiterkommen will, braucht oft nicht nur Punkte, sondern auch eine positive Tordifferenz. Zweitens: Der Anreiz für offensives Spielen in den letzten Gruppenspielen wächst. Eine Mannschaft, die mit drei Punkten aus zwei Spielen ins letzte Spiel geht und ein 0:0 reichen würde, kann sich nicht entspannen — denn ohne Tore wird der Drittplatzierten-Vergleich schwierig. Drittens: Wer als Erster einer Gruppe weitergeht, hat im Sechzehntelfinal einen klaren Tableau-Vorteil gegenüber den Zweitplatzierten und Drittplatzierten — die FIFA hat das Schema bewusst so gebaut.

Eine Konsequenz, die viele übersehen: Bei zwölf Gruppen mit jeweils sechs Spielen ist die Vorrunde länger als früher. Die Gruppenphase dauert vom 11. bis zum 27. Juni 2026, das sind 17 Tage — etwa drei Tage länger als bei der WM 2022. Für die Spieler bedeutet das mehr Spiele in kurzer Zeit, für die Fans mehr Möglichkeiten, einen Spieltag live zu verfolgen, und für die Wett-Tippspieler ein dichteres Programm an Märkten.

Die FIFA hat zudem die Anstosszeiten innerhalb einer Gruppe so gestaffelt, dass eine Mannschaft typischerweise am Tag 1, Tag 5 und Tag 9 ihrer Gruppenphase spielt — also mit vier Tagen Pause zwischen Spielen. Das ist grosszügiger als bei früheren WMs, wo manchmal nur drei Tage Pause waren. Der Grund ist die Hitze in Nordamerika: Die Spieler brauchen mehr Regeneration, und die FIFA wollte vermeiden, dass ein Mannschaft mit drei Tagen Pause gegen eine mit fünf Tagen Pause antreten muss. Für Wett-Tippspieler bedeutet das, dass Konditionsargumente („Mannschaft X ist müde“) weniger gewichtig sind als bei früheren WMs — die Belastungsverteilung ist bewusster ausgeglichen.

Übersichtstabelle aller 12 Gruppen

Bevor ich in die einzelnen Konstellationen gehe, der grobe Überblick. Die 12 Gruppen der WM 2026 sind nach der finalen Auslosung und den abgeschlossenen Playoff-Spielen wie folgt zusammengesetzt: Gruppe A trifft Mexiko, Südkorea, Südafrika und Tschechien. Gruppe B beheimatet Kanada, die Schweiz, Katar und Bosnien-Herzegowina. Gruppe C besteht aus Brasilien, Marokko, Haiti und Schottland. In Gruppe D treffen die USA, Paraguay, Australien und die Türkei aufeinander. Gruppe E versammelt Deutschland, Côte d’Ivoire, Ecuador und Curaçao. Gruppe F bringt die Niederlande, Japan, Tunesien und Schweden zusammen.

Die zweite Hälfte des Tableaus: Gruppe G mit Belgien, Iran, Neuseeland und Ägypten. Gruppe H mit Spanien, Saudi-Arabien, Kap Verde und Uruguay. Gruppe I — die spätere „Todesgruppe“ — mit Norwegen, Senegal, Frankreich und Irak. Gruppe J mit Argentinien, Algerien, Österreich und Jordanien. Gruppe K mit Kolumbien, Usbekistan, Portugal und der DR Kongo. Und zuletzt Gruppe L mit England, Ghana, Kroatien und Panama.

Wer die Liste durchschaut, erkennt zwei Muster: Erstens, die FIFA hat darauf geachtet, dass jeder Gastgeber in einer separaten Gruppe steht (Mexiko in A, Kanada in B, USA in D). Zweitens, die Topfeinteilung hat zu vorhersehbaren Konstellationen geführt — die echten Top-Teams sind über die Gruppen verteilt, sodass kein Halbfinal-Pfad zu früh aufeinandertrifft. Das soll die spannenden Begegnungen für die K.-o.-Phase aufsparen.

Die Asymmetrie zeigt sich in der Schwierigkeit der einzelnen Gruppen. Gruppe I mit Frankreich, Norwegen, Senegal und Irak ist objektiv die härteste Konstellation — drei Top-30-Mannschaften der Weltrangliste plus ein Aussenseiter, der gegen jede der anderen drei chancenlos sein dürfte. Gruppe A und Gruppe G sind die offensten, weil dort kein klarer Top-Favorit existiert. Gruppe B mit der Schweiz liegt im Mittelfeld der Schwierigkeit — kein „Death-Group“-Status, aber auch keine Spaziergangs-Konstellation.

Eine geografische Bemerkung zum Spielplan: Die FIFA hat die Vorrundenspiele geografisch in drei Zonen geclustert. Westzone (Kalifornien, Vancouver, Seattle, Mexico City-West), Zentralzone (Dallas, Houston, Kansas City, Monterrey, Guadalajara), Ostzone (New York, Boston, Philadelphia, Atlanta, Miami, Toronto). Jede Mannschaft bleibt während der Vorrunde weitgehend in einer Zone. Die Schweizer Nati ist in der Westzone — drei Spiele in Santa Clara, Los Angeles und Vancouver. Die Reisedistanzen sind dort vergleichsweise moderat (Santa Clara nach LA: 550 km; LA nach Vancouver: 2’000 km), aber die Vancouver-Reise ist die grösste Einzelstrecke, die die Nati absolvieren muss. Mannschaften in der Ostzone haben kürzere Reisen, dafür aber mehr Feuchtigkeit und Hitze.

Die schwersten Gruppen im Vergleich

Wenn Journalisten Gruppen nach Schwierigkeit sortieren wollen, greifen sie meistens zur FIFA-Weltrangliste der vier Mannschaften und addieren die Punkte. Das ist eine schnelle, aber grobe Methode. Ich rechne lieber mit den durchschnittlichen Outright-Quoten der vier Teams — die spiegeln die Marktmeinung präziser wider als die offizielle Rangliste, weil sie die Form, die Verletzungen und die taktische Entwicklung mit einrechnen.

Nach dieser Methode ist Gruppe I mit Abstand die härteste. Frankreich (Outright-Quote rund 6.00), Norwegen (rund 35.00), Senegal (rund 50.00), Irak (rund 800.00). Die durchschnittliche Outright-Quote der vier liegt bei etwa 220, was die niedrigste Zahl aller zwölf Gruppen darstellt. Praktisch heisst das: Drei der vier Mannschaften haben realistische K.-o.-Ambitionen, und der Vierte (Irak) wird gegen jeden der drei anderen klarer Aussenseiter sein. Der Kampf um Platz 2 zwischen Norwegen und Senegal ist das Spiel, auf das ich am meisten warte — Haaland gegen den senegalesischen Defensivblock, das ist Choreographie auf höchstem Niveau.

An zweiter Stelle der Schwierigkeit steht Gruppe H mit Spanien, Saudi-Arabien, Kap Verde und Uruguay. Spanien ist klarer Top-Favorit, aber Uruguay mit Bielsa als Trainer ist eine echte K.-o.-Mannschaft, Saudi-Arabien hat 2022 Argentinien geschlagen, und Kap Verde ist der unbekannte Faktor. Die Gruppenphase wird dort knapper als die Quoten suggerieren. An dritter Stelle die Gruppe L mit England, Kroatien, Ghana und Panama — wobei Kroatien als WM-Zweiter 2018 und Halbfinalist 2022 unter dem Markt-Radar fliegt und gegen England durchaus für einen Punkt gut sein kann.

Eine vierte schwere Konstellation ist Gruppe J mit Argentinien, Algerien, Österreich und Jordanien. Argentinien ist Top-Favorit, aber Österreich hat in der EM 2024 gezeigt, dass die Mannschaft taktisch stark ist und gegen Top-Teams einen Punkt holen kann. Algerien hat eine erfahrene Mannschaft, und Jordanien ist der WM-Debütant, der die Gruppe komplettiert. Hier wird der zweite Tabellenplatz das spannendste Rennen des Turniers — drei Mannschaften kämpfen um einen Platz.

Ein historisches Argument für die Einstufung von Gruppe I als härteste: Seit der Einführung der Weltrangliste 1993 gab es in keiner WM-Gruppe gleichzeitig drei Mannschaften in den Top 25. Gruppe I hat Frankreich (Rang 2), Norwegen (Rang 14 bis 18, je nach Stand) und Senegal (Rang 20 bis 25). Das ist eine Dichte, die statistisch ein Novum ist. Die Folge: Eine dieser drei Mannschaften wird als Drittplatzierte aus der Gruppe ausscheiden müssen — oder sich über die Drittplatzierten-Wertung in die K.-o.-Phase retten. Wer auf Frankreich in der Gruppenphase wettet, sollte das im Kopf haben: Die Quote auf einen makellosen Durchmarsch mit drei Siegen liegt höher, als die Buchmacher suggerieren, weil selbst Frankreich gegen Norwegen oder Senegal im Einzelspiel realistisch Punkte abgeben kann.

Was in der Diskussion um „Todesgruppen“ oft übersehen wird: Die wahre Härte einer Gruppe zeigt sich nicht in den ersten beiden Spielen, sondern im dritten Spieltag. Wenn dort alle vier Mannschaften noch theoretische Chancen auf die K.-o.-Phase haben, ist die Spannung maximal. Bei Gruppe I ist das wahrscheinlich, bei Gruppe H auch, bei Gruppe L ebenfalls. Bei den „offenen“ Gruppen wie A oder G wird die Spannung eher auf zwei Mannschaften reduziert sein — dort ist es der Kampf um Platz 1, aber der Abstand nach hinten wird bereits klar sein.

Die offensten Gruppen

Auf der anderen Seite des Spektrums liegen die Gruppen, in denen kein klarer Top-Favorit existiert. Das sind die Konstellationen, in denen jede der vier Mannschaften zumindest theoretisch gewinnen könnte — und die statistisch die meisten Sensationen produzieren.

Gruppe A mit Mexiko, Südkorea, Südafrika und Tschechien ist nach meiner Einschätzung die offenste Gruppe der WM. Mexiko hat zwar Heimvorteil im Estadio Azteca, aber die letzten WM-Auftritte waren durchwachsen (immer Achtelfinal, nie weiter). Südkorea hat unter Klinsmann oder dessen Nachfolger einen taktisch soliden Auftritt hingelegt, Südafrika ist nach langer Pause zurück, und Tschechien hat eine Mannschaft, die in der UEFA-Quali zu den positiven Überraschungen gehörte. Die Quoten auf den Gruppensieg liegen bei allen vier zwischen 2.00 und 5.00 — ein Indikator dafür, dass der Markt keinen klaren Favoriten sieht.

Gruppe G mit Belgien, Iran, Neuseeland und Ägypten ist die zweite offene Konstellation. Belgien ist nach dem Karriereende der goldenen Generation in einer Übergangsphase, Iran und Ägypten haben jeweils Top-Spieler aus den europäischen Top-Ligen, Neuseeland ist der OFC-Vertreter, der traditionell unterschätzt wird. Die Gruppe G wird erst am letzten Spieltag entschieden — und die Wahrscheinlichkeit, dass alle vier Mannschaften noch um den Achtelfinal-Einzug kämpfen, ist hoch.

Ägypten mit Mohamed Salah als nach wie vor besten afrikanischen Spieler der Welt ist der Joker in Gruppe G. Salah war bei der WM 2018 verletzt und hat nie wirklich die Bühne bekommen, die ihm zusteht. Mit 33 Jahren bei der WM 2026 ist dies wahrscheinlich sein letztes grosses Turnier, und die Motivation wird maximal sein. Iran mit Mehdi Taremi, Sardar Azmoun und einer taktisch extrem disziplinierten Verteidigung wird schwer zu knacken sein — Iran hat bei der WM 2022 gegen Wales gewonnen und gegen England in der zweiten Halbzeit phasenweise dominiert. Wer Gruppe G leichtnimmt, liegt falsch.

Gruppe F mit den Niederlanden, Japan, Tunesien und Schweden ist eine dritte Konstellation, in der die Quoten relativ eng beieinander liegen. Die Niederlande sind Favorit, aber Japan hat in Katar 2022 sowohl Deutschland als auch Spanien geschlagen — diese Mannschaft ist bei keinem Top-Team mehr ein Pflichtsieg.

Eine Sonderbemerkung zu Gruppe D, die in der Schublade „offen“ oft vergessen wird: USA als Gastgeber, Paraguay als erfahrener CONMEBOL-Vertreter, Australien als Konstante jeder WM seit 2006, und die Türkei mit einer jungen Generation. Die USA sind nominell Favorit, aber der Heimvorteil wird hier vom Zeitfaktor relativiert — die US-Mannschaft ist nicht so homogen wie die europäischen Spitzenteams, und der Druck einer Heim-WM kann auch lähmen, nicht nur beflügeln. Paraguay und Australien sind die Kandidaten für den zweiten Platz. Die Türkei mit Arda Güler ist der Wildcard-Faktor, der die Gruppe offener macht, als die Quoten vermuten lassen. Wer eine Wette auf ein überraschendes Gruppenergebnis sucht, findet hier eine der unterbewertetsten Konstellationen der gesamten Vorrunde.

Schwerpunkt Gruppe B mit der Schweiz

Schweizer Nationalspieler im roten Trikot mit dem Ball am Fuss vor jubelnden Fans im Stadion

Wenn ich mit Schweizer Freunden über die WM-Auslosung gesprochen habe, war die Reaktion auf Gruppe B fast immer: „Das geht!“ Und ja, das geht. Aber wir sollten nicht vergessen, dass „das geht“ und „das ist sicher“ zwei verschiedene Dinge sind. Eine Gruppe mit dem Co-Gastgeber Kanada plus zwei Mannschaften, die beide ihre Tücken haben, ist sportlich machbar — aber sie ist keine Garantie. Schauen wir die vier Konstellationen einzeln an.

Kanada ist Co-Gastgeber und damit psychologisch der wichtigste Gegner. Die Mannschaft hat mit Alphonso Davies und Jonathan David zwei Weltklasse-Spieler im Kader, der Rest ist solide MLS- und europäische Zweitliga-Substanz. Sportlich liegt Kanada eine halbe bis ganze Klasse unter der Schweiz — aber im Heimspiel in Vancouver, mit einem vollen BC Place und einer Atmosphäre, die für nordamerikanische Verhältnisse mitreissend ist, kann der Heimvorteil zwischen einem und 1.5 Toren wert sein. Die Buchmacherquote auf einen Schweizer Sieg in Vancouver lag im Frühjahr 2026 bei rund 2.30, was eine implizite Wahrscheinlichkeit von 43 Prozent bedeutet — eng, aber leicht zugunsten der Nati.

Ein historischer Referenzpunkt: Kanada hat vor 2022 nur einmal an einer WM teilgenommen (1986 in Mexiko, dreimal verloren, kein Tor erzielt). Bei der WM 2022 in Katar war das Land qualifiziert, schied aber in der Vorrunde mit drei Niederlagen aus. Das Team ist also noch in der Aufbauphase, auch wenn es als Co-Gastgeber 2026 deutlich mehr Erfahrung mitbringt als 2022. Die Schwäche ist die Defensive: Kanada kassiert historisch zu viele Tore gegen Mannschaften mit organisierten Angriffen. Die Schweiz ist genau so eine Mannschaft — technisch sauber, kollektiv stark, mit Xhakas Spielverlagerungen als Nadelöhr. In einem theoretischen Direktvergleich würde ich sagen, dass die Nati mit 55 zu 45 Prozent bevorzugt ist, der Heimvorteil reduziert das auf 50 zu 50 plus ein Quäntchen für Kanada.

Bosnien-Herzegowina ist die Mannschaft, vor der ich am meisten Respekt habe. BiH hat sich über die UEFA-Playoffs in die Endrunde gespielt, mit einer Mannschaft um Edin Dzeko (sofern noch dabei), Miralem Pjanić und einer jungen Generation, die in den letzten zwei Jahren reifer geworden ist. Der Schweizer Sieg gegen Bosnien-Herzegowina wird kein Selbstläufer — die historischen Begegnungen zwischen den beiden Verbänden waren immer eng. Die Quote auf einen Schweizer Sieg liegt bei rund 1.90, was 53 Prozent impliziter Wahrscheinlichkeit bedeutet. Das ist näher an einem Coin-Flip, als die meisten Schweizer Fans wahrhaben wollen.

Katar ist sportlich der schwächste Gegner der Gruppe. Die Mannschaft, die 2022 als Gastgeber alle drei Vorrundenspiele verlor, hat seither keinen wirklichen Aufschwung erlebt. Der Kader ist überwiegend in der heimischen Liga aktiv, internationaler Druck ist ungewohnt. Die Quote auf einen Schweizer Sieg im Auftaktspiel liegt bei rund 1.50, was 67 Prozent impliziter Wahrscheinlichkeit bedeutet. Das ist die „wahrscheinlichste“ der drei Schweizer Vorrundenpartien — und gleichzeitig die emotional gefährlichste, weil ein Stolperer im Auftakt das ganze Turnier in eine Schieflage bringen würde.

Die Geschichte der WMs lehrt: Top-Favoriten, die in ihrer Auftaktpartie gegen einen klaren Aussenseiter nur unentschieden spielen oder gar verlieren, erholen sich selten vollständig vom psychologischen Schaden. Deutschland 2018 verlor das Auftaktspiel gegen Mexiko und schied in der Vorrunde aus. Argentinien 2022 verlor das Auftaktspiel gegen Saudi-Arabien — und wurde trotzdem Weltmeister, aber das war die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Die Schweiz sollte das Katar-Spiel mit der gleichen Ernsthaftigkeit angehen wie ein K.-o.-Spiel.

Die Gesamtquote auf den Gruppensieg der Schweiz liegt bei rund 2.10. Die Quote auf den Gruppensieg von Kanada liegt bei rund 2.40. Der Markt sieht die Schweiz also als leichten Favoriten — was ungewöhnlich ist, wenn ein Co-Gastgeber in der Gruppe ist. Eine vertiefte Analyse der Schweizer Chancen, mit direktem Vergleich der vier Mannschaften und realistischen Szenarien, gibt es im Beitrag zur Schweiz-Prognose für Gruppe B.

Eine Szenarienrechnung, die ich für mich selbst gemacht habe: Wenn die Schweiz alle drei Gruppenspiele gewinnt, holt sie neun Punkte und ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Gruppensiegerin. Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios: rund 18 Prozent, wenn ich die impliziten Einzelquoten multipliziere. Wenn die Schweiz zwei Siege und ein Unentschieden holt, kommt sie auf sieben Punkte, was ebenfalls fast immer zum Gruppensieg reicht. Wahrscheinlichkeit: rund 30 Prozent. Wenn sie zwei Siege und eine Niederlage holt, kommt sie auf sechs Punkte, was in 70 Prozent der Fälle zum Weiterkommen reicht, aber nur in 40 Prozent der Fälle zum Gruppensieg. Das sind die realistischen Konstellationen. Ein totales Scheitern mit unter drei Punkten ist bei den aktuellen Quoten mit rund 8 Prozent Wahrscheinlichkeit angesetzt — nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich.

Der Spielplan ist freundlich aus Schweizer Sicht: Zuerst gegen den schwächsten Gegner (Katar am 13. Juni), dann gegen den gefährlichsten Nicht-Gastgeber (Bosnien-Herzegowina am 18. Juni), zuletzt gegen den Co-Gastgeber im potenziell entscheidenden Spiel (Kanada am 24. Juni). Diese Reihenfolge ist ideal — ein Auftaktsieg gibt psychologischen Schub, das zweite Spiel ist die echte sportliche Prüfung, und das dritte Spiel wird wahrscheinlich mit klaren Tabellenvorgaben gespielt. Wer die Nati verfolgt, kann diese drei Daten einfach auswendig lernen: 13., 18., 24. Juni, jeweils 21:00 Uhr Schweizer Zeit. Kaffee bereitstellen ist bei diesen Zeiten nicht nötig, aber ein bequemer Stuhl hilft.

Die acht besten Gruppendritten

Ein Element, das im 48er-Format völlig neu ist und das viele Fans noch nicht ganz verstanden haben: die Wertung der Drittplatzierten. Im alten 32er-Format gab es das nicht — wer Dritter wurde, war ausgeschieden. Im neuen Format gehen die acht besten der zwölf Drittplatzierten ebenfalls weiter, was bedeutet, dass nur ein Drittel der Drittplatzierten ausscheidet.

Die Wertung läuft so: Nach Abschluss der Gruppenphase werden alle zwölf Drittplatzierten in eine separate Tabelle gesetzt. Sortierung nach Punkten, dann Tordifferenz, dann erzielte Tore, dann Fairplay-Wertung. Die acht besten gehen ins Sechzehntelfinal. Praktisch heisst das: Ein Drittplatzierter mit drei Punkten und einer positiven Tordifferenz qualifiziert sich fast sicher, ein Drittplatzierter mit drei Punkten und einer Tordifferenz von minus zwei wahrscheinlich nicht.

Der historische Vergleich kommt aus der EM, die ein ähnliches Format mit 24 Teams kennt: Bei der EM 2016 reichten meist drei Punkte für die Qualifikation als Drittplatzierter, gelegentlich sogar vier Punkte mit einer guten Tordifferenz. Bei einer WM mit 48 Teams und nur acht Drittplatzierten-Plätzen aus zwölf Gruppen wird die Schwelle wahrscheinlich höher liegen — drei Punkte plus positive Tordifferenz dürften die Mindestvoraussetzung sein.

Was bedeutet das taktisch? Mannschaften, die als Aussenseiter in eine schwere Gruppe gelost werden, haben mit dem dritten Platz noch eine reale Chance auf die K.-o.-Phase. Das senkt den Druck, in der ersten Partie alles riskieren zu müssen, und ermöglicht eine kontrolliertere Spielanlage. Auf der anderen Seite zwingt es Top-Mannschaften, in jedem Spiel offensiv zu agieren — ein Unentschieden gegen einen Aussenseiter ist nicht mehr „okay“, sondern fast schon ein Rückschlag.

Ein zweiter taktischer Effekt: Mannschaften, die mit vier Punkten aus zwei Spielen ins letzte Vorrundenspiel gehen, werden sich nicht mehr zurückziehen können. In der alten 32er-Logik reichten vier Punkte fast immer zum Weiterkommen, und ein 0:0 im letzten Spiel war eine akzeptable Lösung. In der neuen Logik bedeutet ein 0:0 möglicherweise den dritten Platz und damit einen Vergleich mit anderen Drittplatzierten, bei dem die Tordifferenz entscheidet. Wer also als Gruppenzweiter im letzten Spiel ein Unentschieden anstrebt, um Kraft zu sparen, riskiert plötzlich, auf Platz 3 abzurutschen und gegen einen anderen Drittplatzierten verlieren zu können. Das ändert die Spielanlage in einer Art, die wir bisher noch nicht gesehen haben — und ich erwarte, dass einige Mannschaften das in den ersten Spieltagen 2026 schmerzhaft lernen werden.

Quotenvergleich der Gruppensieger

Brasilianischer Stürmer im gelben Trikot beim Torschuss in einem ausverkauften Fussballstadion

Eine Liste, die ich vor jedem Turnier zusammenstelle, sind die Quoten auf den Gruppensieg pro Gruppe. Sie zeigt sehr klar, wo der Markt einen klaren Favoriten sieht und wo nicht. Hier die Übersicht für die WM 2026, mit den Quoten Stand Anfang des Jahres.

Klare Top-Favoriten mit Quoten unter 1.60 sind Frankreich in Gruppe I (Quote rund 1.40), Spanien in Gruppe H (1.45), Brasilien in Gruppe C (1.50), Argentinien in Gruppe J (1.50), Deutschland in Gruppe E (1.55) und England in Gruppe L (1.55). Diese sechs Mannschaften gelten als so dominant in ihrer jeweiligen Gruppe, dass der Markt einen Gruppensieg mit über 60 Prozent Wahrscheinlichkeit ansetzt.

Mittlere Favoriten mit Quoten zwischen 1.60 und 2.50 sind Portugal in Gruppe K (1.80), Niederlande in Gruppe F (1.85), Belgien in Gruppe G (2.00), die Schweiz in Gruppe B (2.10), Mexiko in Gruppe A (2.30) und die USA in Gruppe D (2.40). Hier ist der Gruppensieg wahrscheinlich, aber nicht sicher. Die anderen Mannschaften der Gruppe haben jeweils eine reale Chance, den Favoriten zu schlagen oder zumindest einen Punkt zu holen.

Offene Gruppen ohne klaren Favoriten sind selten, aber Gruppe G mit Belgien als nominellem Favoriten kommt dem nahe — Quoten 2.00 für Belgien, 3.50 für Iran, 4.50 für Ägypten, 6.00 für Neuseeland. Wer auf Gruppensieger-Wetten setzt, findet hier theoretisch die besten Quoten, weil die Marktunsicherheit am grössten ist.

Eine Wett-Strategie, die sich in der Vergangenheit bewährt hat: Gruppensieger-Wetten auf Mannschaften mit Quoten zwischen 1.60 und 2.20 sind statistisch der „süsse Punkt“ — sie kombinieren eine respektable Quote mit einer realistischen Erwartung. Quoten unter 1.60 sind zu eng (kaum Marge), Quoten über 2.50 sind oft Wunschdenken. Wer kombinieren will, kann mehrere Gruppensieger-Wetten zu einer Mehrfachwette zusammenfassen — die Quoten multiplizieren sich, was schnell zu attraktiven Auszahlungen führt, aber jede einzelne Wette muss treffen.

Ein Rechenbeispiel: Drei Gruppensieger-Wetten mit Quoten 1.80, 2.00 und 2.10 ergeben bei einer Mehrfachwette eine Gesamtquote von 7.56. Bei einem Einsatz von 50 Franken wäre die Auszahlung 378 Franken. Klingt attraktiv. Aber die implizite Wahrscheinlichkeit, dass alle drei Wetten gleichzeitig treffen, liegt bei nur rund 13 Prozent — also ist der Erwartungswert nicht besonders spektakulär, sobald man die Buchmachermarge einrechnet. Mehrfachwetten sind ein Mittel, um hohe Auszahlungen mit kleinen Einsätzen zu verbinden, aber sie sind kein Weg zum langfristigen Gewinn, weil die Marge sich mit jeder Wette multipliziert.

Was die Gruppenphase 2026 wirklich entscheidet

Ein letzter Gedanke, der mir bei jeder WM-Vorschau wichtig ist: Die Gruppenphase wird nicht von den Top-Teams entschieden — die kommen so oder so weiter. Sie wird von den Mittelfeld-Mannschaften entschieden, die zwischen Platz 2 und Platz 3 liegen, weil dort die Spannung sitzt. Für die WM 2026 sind das Mannschaften wie Schweden, Iran, Kolumbien, Senegal, Mexiko, die USA und auch die Schweiz. Jede dieser Mannschaften wird in mindestens einem Spiel die Wahl haben zwischen offensivem und defensivem Spiel, und die Wahl wird die ganze Vorrunde formen. Wer als Schweizer Fan die WM verfolgt, sollte nicht nur die Spiele der Nati anschauen, sondern auch die anderen Mittelfeld-Begegnungen — sie sind oft taktisch interessanter als die Spiele der Top-Teams. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit den einzelnen Gruppen-Konstellationen findet sich auf den Detailseiten zu Gruppe B und den weiteren Gruppendetailseiten.

Eine persönliche Prognose zum Abschluss, ohne Anspruch auf Unfehlbarkeit: Ich rechne damit, dass mindestens drei der zwölf Gruppen erst am letzten Spieltag entschieden werden, mit bis zu drei Mannschaften noch im Rennen. Ich rechne mit mindestens einer echten Sensation in der Vorrunde — eine Top-Mannschaft, die überraschend ausscheidet oder nur als Drittplatzierte weiterkommt. Ich rechne mit zwei bis drei Debütanten, die einen Punkt oder einen Sieg holen und damit ihre Verbandsgeschichte neu schreiben. Und ich rechne damit, dass die Schweizer Nati die Gruppe B auf Platz 1 oder Platz 2 abschliesst, mit sieben bis acht Punkten aus drei Spielen — eine Prognose, die in der Nachbetrachtung entweder als konservativ oder als zu optimistisch wahrgenommen werden wird. Beide Ausgänge wären für den Schweizer Fussball ein Erfolg, der das Turnier prägt.

Wie viele Mannschaften kommen aus jeder Gruppe weiter?

Die ersten beiden Mannschaften jeder Gruppe qualifizieren sich direkt für das Sechzehntelfinal. Zusätzlich gehen die acht besten der zwölf Drittplatzierten weiter, sodass insgesamt 32 Mannschaften die K.-o.-Phase erreichen.

Welches ist die schwerste Gruppe der WM 2026?

Gruppe I mit Frankreich, Norwegen, Senegal und Irak gilt als die härteste Konstellation. Drei der vier Mannschaften gehören zur erweiterten Weltspitze, und der Kampf um die ersten beiden Plätze wird besonders eng.

In welcher Gruppe spielt die Schweiz?

Die Schweizer Nati ist in Gruppe B gemeinsam mit Co-Gastgeber Kanada, Bosnien-Herzegowina und Katar. Die Quote auf den Gruppensieg der Schweiz liegt bei rund 2.10, was den Status eines leichten Favoriten widerspiegelt.

Wie werden die acht besten Drittplatzierten ermittelt?

Nach Abschluss der Gruppenphase werden alle zwölf Drittplatzierten in eine separate Tabelle aufgenommen. Sortiert wird nach Punkten, dann Tordifferenz, dann erzielten Toren und schliesslich nach der Fairplay-Wertung. Die acht besten qualifizieren sich für das Sechzehntelfinal.